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Im Ländle Juli 2017                                                                                                        

Es ist sieben Uhr morgens und die Sonne fängt schon an zu brennen.

Höchste Zeit mit meinem Tagwerk zu beginnen.

Seit einer Woche bin ich nun als Urlaubsvertretung im Ländle, nicht mehr weit der Donau.

Die Altdeutschen Hütehunde am Haus dürfen aus ihren Zwingern.

Max, Bär und Susi begrüßen mich begeistert und ich schwinge mich aufs Fahrrad. Auf geht es zur ersten Morgenrunde.

Susi ist elf Jahre und Bär etwas über ein Jahr, beides Füchse.

Max ist bereits 14, ein kurzhaariger Tiger und er fasziniert mich sehr, hat er doch so viel von meinem Lillebror, nicht nur optisch.

Ist es das, was mich in ein paar Jahren erwartet?

So weit will ich eigentlich noch nicht denken.

Nach dem die Hunde zu ihrer Zufriedenheit bewegt sind, reinige ich die Zwinger und ab aufs Fahrrad und zum Stall.

Die Hunde in den Zwingern versuchen, wie es sich gehört, ihre Begeisterung zu unterdrücken.

Ich gucke erstmal in den Stall. Um die 20 Schafe mit kleinen Lämmern begrüßen mich lautstark. Naja, begrüßen ist natürlich eigentlich das falsche Wort, es ist die Forderung nach sofortigem Hafer. Den fülle ich in Eimer und trage ihn über die Straße auf die Koppel. Dabei dürfen sich meine beiden Hunde Lille und Ylva die Beine vertreten. Ylva läuft ohne Hinken, sehr gut, die Pfote ist nach nächtlichem Zugsalbenverband und Antibiotikaspritzen wieder gut.

Die beiden kommen zurück in ihren Zwinger und ich lasse die Schafe aus dem Stall. Wildes Gestürme zu den Hafertrögen, ich scheuche Lämmer nach und verschließe die Koppel.

Nun sind Lucy und Bella, die beiden Altdeutschen Hündinnen dran. Bella ist hitzig und deswegen fahre ich getrennt von den anderen mit ihnen Rad.

Danach sind auch hier die Zwinger dran und natürlich der Stall. Wasser, Heu, Einstreu und die noch extra stehenden Mütter mit den Lämmern der letzten Woche.

Draußen brennt die Sonne schon gnadenlos und ich sehe zu, dass ich mit meinen Hunden zur Herde komme.

Weit ist es nicht, fünf Kilometer, idyllisch an einem See gelegen, erwartet mich eine kleine Herde Merinolandschafe. Schöne, runde, gleichmäßige Tiere, ein Stolz für jeden Merinoliebhaber.

Das Hütegebiet ist klein, einfach und zusammenhängend um den See gelegen. Ich muss keine Flächen wechseln, kein Wasser fahren und hab nur nach außen angrenzende Mähwiesen zu schützen.

Im Grunde leichtes Hüten und für die Hunde fast schon langweilig. Wobei es ja die Außengrenzen gibt, einige sogar mit inneren Winkeln, die einen schon exakt arbeiten lassen müssen.

Auch muss ich sehr genau einteilen. Würde ich die Herde einfach laufen lassen, wären sie am ersten Tag über alles drübergeschleift, würden vielleicht noch einen zweiten Tag fressen und schon am dritten Hungern. Es soll doch aber zehn Tage reichen. So halte ich mich rigoros an den Grundsatz:

Hüten heißt Halten.

Ich habe das Gebiet in gedankliche Parzellen eingeteilt, jeden morgen lasse ich die Schafe zuerst auf der gleichen fressen, wie schon all die Tage zuvor. Langsam steigere ich von Stück zu Stück die Futterqualität. So fressen sie den ganzen Tag schön. Für abends gibt es immer noch etwas ganz Frisches.

Auch heute morgen fressen sie brav.

Was für nette Schafe.

Nach den paar Tagen fangen sie auch immer besser an auf mich zu reagieren.

Solange ich nicht total unvernünftige Dinge von ihnen will.

So einen kleinen Haufen hab ich seit bald 20 Jahren nicht mehr gehütet. Die Schafe sind wesentlich beweglicher und feiner zu steuern, das macht mir richtig Spaß. Auch sind sie direkte, harte Altdeutsche Hütehunde gewohnt. Es gibt keine Nervosität oder Fluchtattacken vor meinen Hunden, im Gegenteil, wird auch schon mal geguckt, wie weit Schaf es treiben kann.

Um kurz nach zwölf ist es dann schon so heiß, dass es die Herde in den Schatten drängt. Brav laufen sie in das umzäunte Gebüsch. Keine Erinnerung mehr an das Drama des ersten Tages, als sie das Gebüsch als Fremd abgestempelt hatten und ich sie Schaf um Schaf hinein stopfen musste.

Ich schließe den Zaun, Strom drauf, Mittagspause.

Bevor ich Heim fahre, nehmen Hunde und ich noch ein kühles Bad.

Zuhause bereite ich mir mein Mittagessen. Extra für mich wurde ein Lamm geschlachtet und in Scheiben geschnitten. So brutzle ich mir jeden Tag Lamm. Einfach ein paar Scheiben in der Pfanne von beiden Seiten jeweils eine Minute scharf anbraten, dann ein halbes Glas Wasser dazu, Deckel drauf und eine viertel Stunde schmoren lassen, nach Wunsch salzen und pfeffern, fertig.

Dazu noch etwas Schmorgemüse und Salat, was der Garten oder die Biogemüsekiste so her gibt. Das kann ich echt immer essen.

Nach einem herrlich ersehnten Mittagsschlaf fahre ich um kurz nach vier wieder raus.

Die Abendrunde, die Zeit in der die Herde am besten frisst, beginnt.

So hüten wir bis ungefähr neun Uhr, damit auch alle Schafe kugelrund und satt sind, sich im Nachtpferch gleich zum Schlafen legen.

Die Hunde und ich gehen nochmal baden und fahren wieder Heim.

Schafe in den Stall, die Hundegruppen noch mal laufen lassen und füttern.

Nun ist es bald halb elf und ich falle zufrieden ins Bett.

Ein entspannter und natürlich doch langer Arbeitstag liegt hinter mir.

Ich genieße den Betrieb für mich zu haben, einfach in der Arbeit zu sein, angekommen zu sein.

Ja, der Anfang war etwas holprig.

700 Kilometer, einmal durch die ganze Republik ging meine Fahrt.

Als ich dann wie per SMS angekündigt abends um 18.00 Uhr auf dem Hof stand war niemand da.

Natürlich nicht, waren die Schafe doch sicher noch nicht satt.

Also rief ich an, erreichte aber niemand.

Endlich, nach einer Stunde: „Ich bin grad mit Schafen und jungem Hund im Feld, ruf Dich später zurück.“ Aufgelegt.

Ich warte noch eine halbe Stunde und so langsam kommt es mir doch seltsam vor.

Über Handy krame ich meine Mails raus.

Und...

Kaltes entsetzen wäscht über mich.

Da steht, schwarz auf weiß, von mir selbst geschrieben, ein Ankunftstermin der erst in drei Tagen ist.

Warum tut sich der Boden nie auf und verschluckt einen, wenn man sich das wünscht?

Oh, wie peinlich!!!!

Was nun?

Am liebsten würde ich direkt vom Hof fahren, drei Tage später wieder kommen.

Ein Blick ins Navi sagt mir, dass meine nächsten Freunde 250 Kilometer entfernt wohnen.

Und, ja, es wäre einfach feige.

Da muss ich jetzt durch!

Natürlich kann ich nicht erwarten, ab morgen arbeiten zu dürfen, aber ich muss den Arsch in der Hose haben, dass jetzt anzusprechen, zu meinem Fehler zu stehen!

Und wie immer, wenn man schlimmstes erwartet, kam es ganz anders.

Es wurde sich riesig gefreut mich zu sehen und ich wurde herzlich in den Arm geschlossen, auch konnte ich gerne bleiben.

Die genau durchgetacktete Organisation hatte ich ordentlich durcheinander geschüttelt, aber es wurde neu geplant.

Nun eine Woche später, bin ich vielleicht noch nicht in der Lage darüber zu lachen, aber ich kann auch das Gute in meiner Palleaktion sehen. Und damit meine ich nicht, dass ich in Zukunft jedes Datum sicher fünf Mal prüfen werde, sondern auch, dass ich die Herde schon drei Tage früher hüten durfte.

So schön das Gebiet hier am See ist, spiegelt es nicht die eigentlichen Weideflächen wieder. Natürlich nicht, wurde doch für die Aushilfe das Gelände gewählt, das am einfachsten zu bewältigen ist.

Die ersten drei Tage waren richtig spannend. Die zu hütenden Stücke lagen zwischen landwirtschaftlichen Nutzflächen, waren winzig und verstreut. So erforderte es dauernde Hundearbeit und Konzentration. Die Wege dazwischen waren so schmal und uneinsehbar, dass man trotz der kleinen Herde zum Teil zu zweit sein musste, vorne einer mit Hund und hinten einer, um keinen Flurschaden zu verursachen.

Ich finde diese wahnsinnigen Unterschiede in der landwirtschaftlichen Struktur von Nord- zu Süddeutschland faszinierend.

Hier unten sind die Felder alle so winzig, da würde in Schleswig-Holstein kein Bauer seinen Schlepper aus der Scheune holen.

Naja, mit Gerät würde der auch schon nicht mehr auf die Fläche passen.

So beweiden Schafe die noch kleineren Eckchen dazwischen und Feldränder.

Oder kleine Naturschutzbiotope.

Oder Obstbaumreihen um die nicht gemäht wurde auf Heuwiesen. Selbige Wiesen sind so bunt in ihrer Blumenpracht, wie es die Weidelgrassteppen im Norden schon lange nicht mehr kennen.

Doch auch im Süden Deutschlands hält der Mais Einzug und wächst bereits auf jeder größeren Flächen. Noch kann man nicht Stunden durch Maiswälder fahren, aber es geht in die Richtung.

Als ich ankomme geht mir der Mais bis zum Knie, eine Woche später kann ich nicht mehr vernünftig aus dem Autofenster gucken.

Jeder, der auf dem Land aufgewachsen ist kennt sie. Die Straßen, die die kleinen Ortschaften verbinden, sich Landstraßen nennen, aber doch eigentlich nur geteerte Feldwege sind.

Was für ein Vergnügen, auf diesen zu fahren. Man kann sogar bei der Landstraßengeschwindigkeitsbeschränkung bleiben, ohne das es an Spaß verliert.

Die Musik so weit aufgedreht, dass man in der Stadt als der letzte Vollidiot gelten würde, legt man sich in die Kurven, rauscht durch deren inneren Winkel. Kommt einem ein Auto entgegen, wird in letzter Sekunde entschieden, wer wie weit die geteerte Straße verlässt. Die rechten zwei Räder knirschen auf Sand und Kies, man hofft, dass sich kein all zu tiefes Schlagloch unter den Pfützen verbirgt. Und wenn, gilt das Motto: Je schneller über die Löcher, je weniger huckelt es. Dann ist der Entgegenkommer vorbei, man zieht das Auto wieder hoch, springt auf die Fahrbahn und rein geht es in die nächste  Kurve.

Der Mais hat dieses Vergnügen noch erhöht, sieht man nun erst in letzter Sekunde ob da jemand entgegen kommt.

Okay, okay, ich gebe es zu:

Ich bin zu alt für diese Scheiße.

Mit der weile fahre ich langsam und vorausschauend, kommt einer von hinten angehobelt, lasse ich ihn vorbei. Ein Spielverderber bin ich dann auch nicht.

Doch zurück zu „meinen“ Schafen und dem Betrieb den ich nun seit einer Woche für mich alleine habe. Den nächsten Tag ändert sich das Wetter und plötzlich habe ich mehr Luft. Morgens brauch ich nicht mehr den Garten gießen und die Herde frisst mittags länger. So fange ich erst um acht an, habe weniger Zeitdruck.

Und dann fangen die Schafe wieder an zu lammen. Es sind nur ein, zwei am Tag. Doch diese Heim zu fahren, einzeln zu stellen, zu beobachten, kennzeichnen, in die große Gruppe umzusetzen und die Einzelbuchten zu misten frisst Zeit.

Drei Tage vor Ende gebe ich abends das letzte Stück frisches Futter. Zuerst nur ein Teil. Doch nach einer Halben Stunde machen sie so einen Druck und Theater, dass ich ihnen auch den Rest überlasse. Ich erwarte von den Schafen, dass sie nun ruhig fressen. Immerhin ist das alles was es noch gibt. Aber nein, anstatt sich weit aufzustellen, laufen sie fressend hin und her. Damit ist mir klar, dass ich mein imaginäres Stück zu groß gemacht habe. Ich hätte es nochmal unterteilen sollen.

Kreiere ich ein Stück zum Abweiden, muss auch immer die Fläche zur Größe der Herde passen. Ist es zu groß und sie „verlaufen sich darin“ tun sie genau das, laufen.  Und sind sie erst ein zwei mal fressend über das Stück getreten, besonders als Front, mögen sie das Futter nicht mehr so gerne.

Ich weiß, das widerspricht jetzt etwas dem, was ich erzählt habe, über die Herde in Bewegung hüten.

Aber was man wie macht, kommt eben immer auf das Gelände, die Herde, Futter und Wetter an und lässt sich daher schlecht in „So und nicht anders“ Regeln packen.

Die letzten zwei Tage vor dem mittäglichen Stellen erforsche ich mit den Schafen noch etwas das Gelände mit dem Gebüsch in dem der Mittagspferch steht. So haben sie vor der Pause noch etwas Frisch zum Knuspern.

Abends erweisen sich meine Befürchtungen als richtig. Wo sie morgens auf dem alten Futter noch fressen und fressen finden sie das Frische überlatschte als Nachtisch nicht mehr wirklich attraktiv. Sie fressen zwar noch, aber nicht so, dass ich finde sie werden ausreichend satt um sie in den Nachtpferch zu stecken.

Aber es ist ja alles bestens organisiert. Und ich habe noch Ausweichflächen, auf der anderen Seite des Sees. Keine Wiesen, sondern Aufwuchs auf Abschiebungen. Frisch und schmackhaft, die Schafe freuen sich und bekommen so den letzten Kick. Lecker.

Feierabend.

Und damit ist meine Zeit im Schwabenländle auch schon wieder um.

Die Urlauber kehren Heim und schicken mich mit guten Worten und leckerem italienischen Käse zurück in den Norden.

Es war Arbeit die mich zufrieden macht, mich erfüllt, die mich gute beschäftigte.

Und doch bin ich mir meines Luxus sehr bewusst.

Der Betrieb ist bestens organisiert und auf mich vorbereitet.

Ich hatte den ganzen Tag zu tun und habe doch so viele Dinge nicht gemacht.

Keine Zäune außer dem Nachtpferch gebaut, kein Wasser gefahren, keine Parasiten behandelt, kein Winterfutter gemacht, kein Weidetagebuch oder Bestandsregister geführt, keine Anträge geschrieben, überhaupt nichts an Papierkram, kein Stall aufgeräumt, keinen Weidewechsel vorgenommen, keine Schur organisiert, keine Lämmer geschlachtet und vermarktet.

Zum Glück stand auch kein Kontrollör auf dem Hof, der erwarte, dass man alles liegen und stehen lässt und nun mit ihm Flächen abfährt, vermisst, Tiere begutachtet, Schlachträume inspiziert, Bücher durchgeht. Gefühlt gibt es pro Betrieb einen Kontrollör, der gut bezahlt nach Stunden nicht anders macht, als Fehler zu suchen und zu ahnden.

Auch habe ich keine Hirtenhunde versorgt, keinen Wolfsschutz gebaut, keine Nachtwache gehalten.

Erst recht nicht habe ich das Haus geputzt, Reparaturen vorgenommen, eingekauft, einen Arzttermin wahr genommen oder mal Freunde getroffen.

Auch dieser Betrieb hat, wie eigentlich alle, in denen ich aushelfe, trotz stattlicher Kinder keine Nachfolger.

Unter diesen Bedingungen, bei denen es sich dazu abzeichnet, dass es nur noch schlechter wird, will keiner mehr schäfern.

Die Hüte-Wanderschäferei stirbt.

Eine Jahrhunderte alte Kultur stirbt.

Eine Lebensweise stirbt.

Und nimmt vieles mit:

Das Schaf, letzte Nutztierart die noch in Freiheit lebt.

Hütehunde, deren Art, Herden in kleinteiliger Kulturlandschaft zu hüten weltweit einmalig hier entstanden ist.

Mager- und Trockenrasen.

Heideflächen.

Moore.

Kulturlandschaft die Mensch und Tier und Nutzung in Einklang mit Natur bringt.

Es sind nicht nur Schäfer und Schafe die verlieren, es ist die Gesellschaft. (Anna Kimmel)

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Wolf + Artenschutz


Schafe, Wolf und Artenschutz

Gedanken zur Rückkehr der Wölfe nach Deutschland

Während andere Nutztiere ihr Leben zunehmend im Stall verbringen, halten die Schäfer an der traditionellen, tiergerechten und naturnahen Weidehaltung fest. Dadurch sind Schafe auch durch die rückkehrenden Wölfe bedroht.

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