*
WirPflegen

LogoBerufsschaefer

Top-Slideshow

p1030434.jpg schafe-mit-schaefer-004.jpg 39871-146883261996312-11542.jpg hueten-004.jpg schafe-mit-schaefer-010.jpg cimg3710.jpg hirtenzug-lauenburg-214.jpg hirtenzug-054-1600x1200.jpg dsc00098.jpg dsc00539.jpg p1030872.jpg schafe-mit-schaefer-011.jpg dsc00156.jpg dsc00531.jpg p1030488.jpg

Menu
STARTSEITE STARTSEITE
BERUFSSCHÄFER BERUFSSCHÄFER
MITGLIED WERDEN MITGLIED WERDEN
AKTUELLES AKTUELLES
DVD, KALENDER, SCHILDER DVD, KALENDER, SCHILDER
TERMINE TERMINE
SCHÄFERGESCHICHTEN SCHÄFERGESCHICHTEN
FOTOGALERIE FOTOGALERIE
LAMMFLEISCH KAUFEN LAMMFLEISCH KAUFEN
LAMMFLEISCH ZUBEREITEN LAMMFLEISCH ZUBEREITEN
KONTAKT KONTAKT
IMPRESSUM IMPRESSUM

zurück zur Übersicht

Fahrt nach Luxemburg

Dieser Tag wird uns noch lange bewegen.

Donnerstag, 7. März 2013
3:45 Uhr, der erste Wecker klingelt. Der Blick in den Spiegel sagt mir, dass ich so unmöglich aus dem Haus gehen kann. Doch es bleibt mir nichts anderes übrig, ich höre schon das Auto vorfahren, meine Mitfahrgelegenheit zum Bus, organisiert vom Landesschafzuchtverband Baden-Württemberg.
Gerade noch rechtzeitig erreichen wir den Bus. Inzwischen ist es 6.30 Uhr. Unterwegs halten wir noch drei Mal um Kollegen zusteigen zu lassen, bis der Bus fast voll ist.

Es ist elf Uhr, als wir in Luxemburg vor dem Gebäude des europäischen Gerichtshofes aussteigen.
Die Gebäude des Gerichts sind riesig, mit Fassaden in goldgelb und Glas. Ein paar wenige Kollegen sind schon da.
Vor 13 Uhr darf man nicht in das Gebäude. Was so lange tun? Hier gibt es weit und breit nichts, doch kaum habe ich diesen Gedanken zu Ende gedacht verfliegt er auch schon.


Herr Dr. Völl, der Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände, hat mehrere Schachteln frischer Berliner direkt aus Berlin mitgebracht, die verteilt werden. Sie schmecken köstlich, und der weiße Puderzucker hängt überall auf meinem schwarzen Schäferhemd. Jetzt weiß ich, warum Herr Dr. Völl, so ein helles Schäferhemd trägt – da sieht man den Puderzucker nicht drauf, wenn er Berliner verteilt. Spaß beiseite.
Die süddeutschen Schäferhemden sind deshalb schwarz, weil man früher, auf den Bockauktionen,  so relativ gut die Feinheit einer Wollfaser ohne Mikroskop feststellen konnte, wenn man sie vor dem schwarzen Stoff betrachtet. Einst hielt man die Schafe ja wegen der Wolle, und der Wert eines Bockes hing von der Feinheit seiner Wolle ab. Natürlich dient das Schäferhemd auch dazu, die Kleidung darunter vor Schmutz zu schützten, dafür könnte es aber genauso gut eine andere Farbe  haben.


Da kommen die Franzosen, eine kleine Gruppe. Sie haben einen französischen Hirtenzug gegen die elektronische Einzeltierkennzeichnung organisiert, nachdem sie von unserem Hirtenzug von Berlin über Brüssel nach Trier gehört haben. Sie sind vollkommen überwältigt von den vielen deutschen Schäfern, die angereist sind, und von der einheitlichen Kleidung den traditionellen Schäferhemden.
Da kommt der zweite Bus. Er ist mit blau-weißen Karos verziert, auch die Schäferhemden haben blau-weiße Embleme. Bayern. Ich bin fasziniert. Der Eingangsbereich des Gerichts ist belagert von Schäfern, auch die Treppe und der Gehweg davor. Es wird immer voller, überall Schäfer.


Schon fährt der dritte Bus vor. Alle haben traditionelle Schäferwesten mit Knöpfen an. Hessen.
Weitere kommen dazu, privat angereist, oder mit kleinen Busen. Aus Brandenburg kommt eine Gruppe mit langen blauen Lodenmänteln.
Die Gruppe der Franzosen wird immer größer. Überall stehen kleine Grüppchen zusammen und fachsimpeln. Man trifft alte Bekannte, die Zeit vergeht wie im Flug.

Die Pforten zum Gerichtsgebäude werden geöffnet. Nur sehr langsam geht es hinein. Drinnen wird man kontrolliert wie auf dem Flughafen. Pass, alle Metallgegenstände aus den Taschen, sämtliche Taschenmesser müssen abgegeben werden. Die Sicherheitsbeamten nehmen es mit Humor, sie haben  schon ein ganzes Sammelsurium an Taschenmessern, man merkt ihnen an, dass das für die kein üblicher Hosentascheninhalt ist. Ein paar haben den Pass vergessen,  hier sind sie sehr kulant, gegen Hinterlassung der vollständigen Adresse und jemand der für sie bürgt dürfen auch sie rein.
Im Foyer ist alles voll von Schäfern. Alle interessieren sich für unsere Anwesenheit, vom Angestellten über die Bedienungen bis zur Putzfrau. Wieso sind wir hier? Was sind das für schwarze Hemden, die wir anhaben? Unter all den Schäferhemden sehe ich plötzlich zwei Schottenröcke, ich glaube meinen Augen nicht zu trauen. Ich nehme all meinen Mut zusammen und obwohl mich meine Sprachkenntnisse in entscheidenden Moment verlassen, spreche ich die beiden Herren an: „Ja wir sind auch Schafhalter und wir kommen aus Schottland. Wir sind sehr beeindruckt von der Organisation, dem Engagement und der Vielzahl der hier anwesenden deutschen Schafhalter.“

14 Uhr, es geht in den Gerichtssaal. Er ist sehr groß, hat 280 Sitzplätze die fast alle besetzt sind. Sehr beeindruckend. Herr Dr. Winkelmüller, der Anwalt von Herr Schaible, der stellvertretend für uns alle gegen die elektronische Einzeltierkennhzeichnung bei Schafen und Ziegen klagt, spricht als erster. Er tritt vor das Pult, steht mit beiden Beinen fest auf der Erde und beginnt. Jedes Wort, jeder Satz ist wohlüberlegt und wohldurchdacht, ein Genuss zu hören. In der 20 Minütigen Rede stecken mehrere Wochen akribische Vorarbeit, und viel Zuarbeit von Herr Czerkus, Vorstand des Bundesverbandes Berufsschäfer und Herr Schaible. Jedes Argument sitzt.
Die Herren Richter kann ich sehr schlecht einschätzten, erst machen sie mir einen sehr teilnahmslosen Eindruck, aber das kann auch täuschen, denn sie sitzen sehr weit weg, und ich kann die Gesichtszüge schlecht erkennen, obwohl ich in der ersten Reihe sitze.

Als zweites spricht eine Französin, sie vertritt die französische Regierung. Ihre äußere Erscheinung ist mir erst sympathisch - bis sie Ihre Rede beginnt. Ich brauche eine Weile, um wieder zu mir zu kommen. Es ist wie ein Schock. Ist das alles wahr was meine Ohren da vernehmen? Mit welchen Argumenten sie für die elektronische Einzeltierkennzeichnung bei Schafen ist.
 - Also die Länder die weniger als 600 000 Schafe und Ziegen haben, bräuchten das nicht, die        hätten weniger Tiere also auch weniger Tierbewegungen und es sei zumutbar die    Ohrmarkennummern von Hand abzulesen. (Nach welchen Kriterien diese Stückzahl festgesetzt wurde, erscheint uns willkürlich.)
 - Rinder bräuchten das auch nicht, da die Tiere größer sind und somit könnten die Ohrmarken          auch die problemlos von Hand abgelesen werden. (Für uns ist das eine Ungleichbehandlung der Tierarten.)
 - Schafe würden ja ständig und pausenlos und in großen Stückzahlen als Individuen, deshalb individuelle Kennzeichnung, von einem Betrieb auf den anderen verbracht, während Schweine kaum transportiert würden, und wenn dann immer als ganze Gruppen, deshalb Bestandskennzeichnung. (Nachweislich gibt es wesentlich mehr Schweine als Schafe, die in der Regel auch mehrmals von einem Betrieb in einen anderen wechseln, während Schafe meistens bis zur Schlachtung im gleichen Betrieb verbleiben.)
Es ist nur der äußersten Disziplin und Beherrschung aller anwesenden Schäfer zu verdanken dass alle auf ihren Sitzen blieben und die Situation nicht eskaliert ist.
Am Ende der Sitzung war diese Dame so mit den Nerven fertig, dass es ihr nur mit viel Mühe gelang den Übersetzungskopfhörer am Ohr zu befestigen, so hat sie gezittert. Sie hat sehr wohl gemerkt wie wenig stichhaltig ihre Argumente waren, und auf wie wenig Gegenliebe sie gestoßen sind.
Die Frau, die den europäischen Rat vertritt, hat auch keine besseren Argumente. Durch die elektronische Einzeltierkennzeichnung bei Schafen könnten Skandale wie Pferdefleisch in Lasagne verhindert werden. Diese Logik erschließt sich mir nicht wirklich, vielleicht muss man studiert haben um das zu verstehen. Frage mich wie das die Herren Richter sehen.  
Der Herr der die europäische Kommission vertritt, legt Herr Schaible als Kläger nahe an Fortbildungsmaßnahmen vom Bauernverband teilzunehmen wenn ihm die Anwendung der elektronischen Einzelkennzeichnung zu schwierig sei. Es scheint ihm entgangen zu sein, das das ganze System nicht funktioniert, weil es viel zu aufwändig und kompliziert ist und dass im Seuchenfall die einzelnen Länder in Europa ihre Daten nicht übertragen und vergleichen können. Bei den Kosten der Ohrmarken geht es nur um die Kosten der einzelnen Ohrmarken, nicht um das Verhältnis der Kosten und des Aufwands in Bezug auf den Wert des Tieres. Bei all den Argumenten die vorgebracht werden sehe ich unseren Prozess schon als verloren, wenn die Richter mit einer ähnlichen Logik denken.
Hoffnung kommt auf, als durch sehr kritische Fragen der Richter sowohl Rat als auch Kommission sich ausgiebig beraten müssen, um überhaupt antworten zu können.

Nach drei Stunden die ich fast regungslos auf meinem Sitz verbracht habe, was sonst gar nicht so meine Art ist, verlassen wir den Gerichtssaal.

Wie von unsichtbaren Hand geführt bewegt sich ein schier endlos scheinender Zug von Schäfern Richtung Handelskammer zur Nachbesprechung, organisiert vom neu gegründeten Bundesverband Berufsschäfer. Ein Buffet ist aufgebaut. Der Service der Essen und Getränke bringt, kommt mit dem Nachschub fast gar nicht mehr nach. Es sind ja auch fast doppelt so viele gekommen wie gemeldet waren.
Wusste gar nicht, wie gerne auch von Schäfern Gemüsestreifen verzehrt werden. Und die Leckereien werden in  Gefäßen aus Brotteig serviert, wovor auch nicht halt gemacht wird. So sind am Schluss alle satt.
Viel wichtiger ist jedoch, dass man sich nach der Verhandlung nochmal austauschen kann um das Gehörte zu verarbeiten. Sehr geschätzt wird auch, dass man nochmals Fragen an Herr Dr.Winkelmüller stellen kann. Er ist sehr zuversichtlich mit dem Verlauf der Verhandlung. Die Fragen, die der Richter an Rat und Kommission gestellt  hat und die nicht immer klar und zügig beantwortet werden konnten, sprechen für uns.

Günther Czerkus und RA Dr. Winkelmüller

Eine lange Heimfahrt mit mehreren Staus steht bevor. Mir ist schon ganz schlecht, so müde bin ich.
Um 00.30 Uhr erreichen wir die Busstation. Noch zwei Stunden bis ich mich ins Bett fallen lassen kann. Noch mindestens ein Tag wird vergehen bis ich wieder fit sein werde. Doch was macht das schon angesichts des Erlebten und Erreichten des vergangenen Tages.
Ebenso erscheinen mir die Diskussionen im Vorfeld um Organisation und Kostenübernahme als banal und nebensächlich ,vor dem Hintergrund dessen was erreicht wurde.
Egal wie der Prozess ausgeht, mit Interesse und Anerkennung schauen viele auf  das Aufsehen, das die zahlenmäßig kleine Gruppe der Schäfer erreicht hat.

Die Botschaft und der Zusammenhalt unserer Organisation wird von Kollegen von Südfrankreich bis Schottland getragen.
Europaweit sind die Schafhalter zusammengewachsen. (Ruth Häckh)

zurück zur Übersicht

Wolf + Artenschutz


Schafe, Wolf und Artenschutz

Gedanken zur Rückkehr der Wölfe nach Deutschland

Während andere Nutztiere ihr Leben zunehmend im Stall verbringen, halten die Schäfer an der traditionellen, tiergerechten und naturnahen Weidehaltung fest. Dadurch sind Schafe auch durch die rückkehrenden Wölfe bedroht.

aktuelles - auch zum Thema Wolf


 

Copyright
© Copyright 2013 by Bundesverband Berufsschäfer e.V. | www.schneifeler-webdesign.de
Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail