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Hunde, die nicht die eigenen sind

Das ist unter Schäfern eines der emotionalsten Themen. Und jeder könnte bestimmt ein Buch darüber schreiben, wie viel er schon erlebt bzw. sich geärgert hat.
Hier kommen ein paar Geschichten aus meinem Erlebten.

Da gibt es zum Einen den ganz alltäglichen Ärger, sozusagen der, den man mehr oder weniger jeden Tag hat. Die „harmloseste“ Form ist ist die Verkotung von Wiesen und Weiden.
Bei fremdem Hundekot auf meinen Weiden besteht immer die Gefahr, dass sich meine Schafe oder aber meine eigenen Hunde mit den Innenparasiten anderer Hunde anstecken.
Und da wo Hunde ihr Geschäft verrichtet haben, fressen die Schafe auch hinterher auf längere Zeit nicht mehr. Verständlich, oder? Keiner von uns würde von einem Teller essen, in das ein anderer hineingemacht hat.
Nur die Hundehalter scheinen dies nicht zu verstehen. Spricht man sie darauf an, vorausgesetzt dies gelingt, und man wird nicht mit Schimpfkanonaden überflutet, ist man mit den unterschiedlichsten Argumenten konfrontiert:
„Mein Hund macht nicht“  Aha, diese Züchtung würde viele Probleme lösen.
„Das ist doch gar nicht Ihre Fläche“  Zu gerne würde ich mich in dessen Auto setzen und behaupten, es sei gar nicht seines.
„Ihr Hund macht ja auch!“ „Ja richtig, aber nicht in Ihren Garten.“
„Der Hund hat bereits zu Hause gemacht.“  Woher kommen dann die ganzen Häufchen? Alle 75 Zentimeter? Ich habe noch nie eines aus dem Boden wachsen sehen oder vom Himmel regnen.
„Der Dreck wird eingesammelt.“  Glaube ich gerne, nur kann ich nirgends eine Tüte entdecken. Vielleicht ist sie ja in der Hosentasche, das wäre im Winter ganz praktisch zum Wärmen und gäbe eine vernünftige Erklärung, warum heutzutage meist zwei Hunde gehalten werden: ein Handwärmer für jede Hosentasche. Aber es wird ja wieder Sommer. Jedenfalls habe ich nie eine Tüte gesehen , wenn die vier Hundedamen mit Ihren sieben Hunden vom Spaziergang zurückkommen.


Meine Verbotsschilder mit Erklärungen scheinen die Hundehalter aus nah und fern auch eher anzuziehen wie abzuschrecken.
Wesentlich ärgerlicher ist es, wenn ein „der macht nicht´s“ oder „der will ja nur spielen Hund“ in die Herde rennt. Das dies aus Sicht der Schafe ganz anders aussieht, dass es für einen friedlichen Vegetarier eine lebensbedrohliche Situation ist, wenn er von einem Fleischfresser verfolgt wird, scheint für viele Hundehalter völlig unbegreiflich. Ein ruhiges Gehüt ist beendet, die Herde ist auf mehr oder weniger längere Zeit hin nervös und verstört, frisst auf diesem Stück womöglich an diesem Tag gar nicht mehr, bei ungünstigem Wetter oder hohem Futter kann sehr viel verschmutzt und zertreten sein, was dann hinterher auch nicht mehr gefressen wird. Andererseits wird das Futter gebraucht, die Schafe sollen satt werden und die Fläche soll gepflegt werden.
Wir stehen ja gerne bei unseren Schafen, auch wenn der Stundenlohn unter dem geforderten Mindestlohn liegt, aber nicht zum Amüsement der Lieblinge unserer Mitmenschen.
Ebenso ärgerlich ist es, wenn der Liebling zwar am Wegesrand angeleint ist, aber lauthals die Herde verbellt. Autos, Traktoren und Flugzeuge machen zwar auch Lärm, zu keiner Zeit der Evolution jedoch haben Schafe Fahrzeugen als Nahrung gedient, den Vorfahren der Hunde aber schon. Meine Schafe wissen das, die Hundebesitzer anscheinend nicht. Dabei heißt es immer, Schafe seien dumm.
Da frage ich mich, inwieweit mancher Hundebesitzer das Denken seinem Liebling überlässt.
Und manchmal frage ich mich, wie weit der Horizont eines Menschen reicht, dessen ganzer Tagesablauf und Lebensinhalt von seinem Vierbeiner bestimmt wird.
Da sehe ich Hunde ihr Frauchen an der Leine hinter sich herziehen, und denke, bestimmt haben diese Frauen eine einseitig stark entwickelte Oberarmmuskulatur, so wie einst die Amazonen.
Andere verbringen beim Gassigehen mehr Zeit mit Stehen als mit Gehen. Lange habe ich gebraucht um das zu verstehen. Bestimmt eine neue Erziehungsmethode. Also immer wenn der Hund an der Leine zieht wird angehalten, so soll der Hund lernen, dass er mit dem an der Leine ziehen keinen Erfolg hat. Bei meiner Nachbarin scheint das zu funktionieren. Nach einem Jahr Training hält sie auf hundert Meter nur noch ein mal an, anstatt zehn mal. Vielleicht darf der Hund bis in ein paar Jahren auch mal von der Leine.
Ganz bestimmt ist diese Methode ihrer Umwelt gegenüber sehr viel rücksichtsvoller, als einfach den Hund laufen zu lassen.

Dann gibt es den besonderen Ärger. Auch hier hat jeder Schäfer sicherlich seine Geschichten, hier die meine:
Es war Spätherbst, den ganzen Sommer waren wir mit den Schafen unterwegs gewesen auf den Wacholderheiden der schwäbischen Alb. Lange Fußmärsche, weite Anfahrten, die Schafe standen bis zu 30 Kilometer vom Wohnhaus entfernt, viel Zeit verbrachten wir im Auto und viel Geld blieb in der Tankstelle. Nun sollte all dies ein Ende haben. Heute waren wir mit den Schafen zuhause angekommen, nur einen Katzensprung standen sie von der Haustüre entfernt. Keine langen Anfahrten mehr, nicht mehr so viel Zeit im Auto! An diesem Abend war es spät geworden, kurz vor Mitternacht, ich war gerade dabei ins Bett zu  gehen, als es an der Haustüre klingelt. Wer ist denn so unverschämt, um diese Uhrzeit noch an der Haustüre zu klingeln? „Da laufen Schafe auf der Bundesstraße.“ „Das kann nicht sein, ich habe meine eingesperrt.“ „Doch, gleich da vorne, und Polizeiautos fahren auch schon.“ Darf das sein? Muss das sein? Tausche meinen Schlafanzug gegen Arbeitskleidung und Gummistiefel und fahre raus. Es dauert nicht lange, da kommen sie mir auch schon entgegen. Das erste ist am ganzen Körper blutverschmiert, überall Wunden, das zweite hat an der Flanke eine riesige klaffende Wunde, sozusagen bei lebendigem Leibe geschält, und das dritte, ja da ist der Bauchraum geöffnet und Darmstücke hängen heraus, mehrere Meter Dünndarm schleppt das Lamm hinter sich her. Wie war es möglich, dass es überhaupt noch am Leben war? Welch unvorstellbare Schmerzen muss es wohl erleiden? Ein Horrorfilm ist Kinderkram gegen das, was sich meinen Augen bietet.
Kurz dahinter die zwei Hunde. Wenn ich sie laufen lasse, wird der Horror weitergehen und vor allem werde ich den Besitzer nie ausfindig machen können, er wird alles abstreiten. Fange ich sie, riskiere ich genauso auszusehen wie meine Schafe, sie könnten mich übelst zurichten. Nehme all meinen Mut, mein Wissen und meine Erfahrung und fange beide ein. Mein Mann versucht derweil die drei Schafe von der Straße wegzubringen, an ein Einfangen ist nicht zu denken, da sind sie viel zu panisch, aber wenigstens von der Straße weg, damit nicht noch ein Unfall mit einem Auto passiert. Weiter vorne das Blaulicht der Polizei, „Wo sind denn Ihre Schafe überall?“ „Das weiß ich auch nicht. Ich weiß nur, wo ich sie gestern Abend eingesperrt habe.“ Inzwischen ist Nebel aufgezogen, man sieht kaum was. Vorsorglich haben die Beamten die Bahnstrecke gesperrt. Mithilfe eines zweiten Streifenwagens suchen wir zuerst auf und neben den Bahngleisen. Dann den Bereich zwischen Bundesstraße und Bahn und schließlich auf und neben der Straße. Als wir sicher sind, dass hier keine Gefahr mehr droht, machen mein Mann und ich uns daran, den Rest der Herde zu suchen. Auf dem Pferchplatz nur eine wüstes Gewirr von niedergerissenen, ineinander verknoteten und kaputten Netzen. Da wo die Schafe waren, überall Blutspuren, Blutlachen, Wollfetzen, Fellstücke, Teile von Gedärmen, Mageninhalt. Kein Schaf weit und breit, die Sicht ist schlecht durch den Nebel, wir versuchen zu lauschen, doch wir hören nichts. Systematisch suchen wir alles ab. Finden kleine Grüppchen, die sofort in Panik flüchten, sobald wir auch nur etwas in die Nähe kommen.
Mit viel Zeit und Geduld gelingt es uns schließlich, ein paar Netze um die größte Gruppe zu machen.
Sobald es dämmert, gehen wir am nächsten Morgen wieder los, finden noch ein paar zerstreute Grüppchen, die wir mit äußerster Vorsicht zusammentreiben. Es ist nicht daran zu denken, einen Hund einzusetzen, da würden sie sofort wieder in Panik davon stürmen, kein lautes Geräusch, keine schnelle Bewegung. Als alle beisammen sind, sehen wir das ganze Ausmaß der Katastrophe. Viele große klaffende Wunden, geöffnete Leiber, ein paar haben die Nacht nicht überlebt, und bei den Überlebenden sind die Verletzungen zum Teil so groß, dass es nicht alle schaffen werden. Die ganze Herde ist so verstört und so panisch, dass es fast unmöglich ist, die Verletzten einzufangen, und in den Stall zu transportieren. Unser Tierarzt näht und versorgt die Wunden. Aber es wird lange dauern und erfordert viel zusätzliche Pflege und Arbeit, bis das wieder einigermaßen wird.
Draußen bei Hüten ist es eine Katastrophe, die ersten Tage fressen sie fast gar nicht. Fliegt auch nur ein Vogel auf, rennen sie zusammen, so sitzt ihnen die Angst noch in den Knochen wieder angegriffen zu werden. Es dauert eine Woche bis sie wieder einigermaßen  zu hüten sind. In der ersten Woche danach brechen sie auch nachts immer wieder aus, aus Angst, dass die Hunde wieder kommen. Es dauert Monate bis die Herde wieder normal zu hüten ist und sie nicht vor jeder Kleinigkeit in Panik gerät.
Der Hundehalter hat mich gebeten in der Schadensmeldung für die Versicherung nur einen Hund anzugeben, da er nur einen versichert hat. Das konnte ich ihm leider nicht zusagen.
Neben dem Wert der verendeten Tiere und den Medikamentenkosten habe ich auch noch die entgangenen Tageszunahmen meiner Lämmer in Rechnung gestellt. Heute würde ich auch noch die nicht geborenen Lämmer in Rechnung stellen, d. h. die Unkosten der Schafe, die durch den Stress gar nicht aufgenommen haben, oder deren Föten zu früh abgegangen sind. Und auch die Arbeitszeit, angefangen von zusätzlichen Kontrollgängen, bis zur Versorgung der Verletzten im Stall.
Das soll es dann gewesen sein? Die Versicherung bezahlt, und der sorglose Hundehalter hat keine weiteren Unannehmlichkeiten? Und die Schmerzen, die die Lämmer und die Schafe ertragen mussten? Wie war das mit dem Tierschutz? An gewissen muslimischen Feiertagen fällt das Veterinäramt razziaartig über meinen Betrieb her, damit kein Tier auch nur für Sekunden leidet. Rufe beim Veterinäramt an. Die zuständige Mitarbeiterin reagiert sehr zurückhaltend. Sie kann nichts dabei finden, wenn fremde Hunde an der Herde sind. Die Schafe müssten doch Hunde gewohnt sein, schließlich werden sie ja jeden Tag von den eigenen Hunden gehütet. Frage sie, ob es für sie auch keinen Unterschied macht, ob sie abends im Bett einen fremden Mann oder den eigenen vorfindet. Später erzähle ich diese Geschichte Francesco „Wie kannst Du nur?“ „Warum?“ „Vielleicht wäre es ihr sogar lieber, einen fremden Mann in ihrem Bett vorzufinden“, Brauche lange bis ich das verstehe.

Ein „einfacher“ Fall ist dagegen folgender:
Hüte eine schöne Wiese am Waldesrand, als plötzlich ein Hund in vollem Galopp aus dem Wald geschossen kommt und in die Herde einfällt. Er umkreist die Herde, teilt sie, sprengt welche ab, um schließlich ein einzelnes Schaf abzutrennen und es davonzujagen. Wäre ich alleine gewesen, hätte ich keine Chance gehabt, den Hund zu verfolgen, ein Stück weiter oben ist die Bundesstraße, dahinter gleich die Autobahn und die ICE Strecke. Ich hätte die Herde nicht alleine lassen können, die Gefahr wäre zu groß gewesen, dass sie sich in die falsche Richtung davonmachen und auf die Straße gelangen, ihnen allen steckte ja auch noch der Schreck in den Gliedern. Francesco bleibt bei den Schafen und ich  fahre Hund und Schaf nach. Nach einer kilometerlangen Hetzjagd bricht das Schaf tot zusammen. Ein wunderschönes Jungschaf trächtig mit Zwillingen, an Weihnachten wären die Lämmer zur Welt gekommen.
Schlimm genug, doch was dann folgt ist noch viel schlimmer. Das Wortgefecht mit der Besitzerin. Keine Spur von Mitleid mit dem gehetzten und getöteten Tier, keine Spur von Einsicht, dass das Ganze nicht in Ordnung ist. Ich hätte überhaupt keinen Grund mich aufzuregen, und ich solle doch bitte in einem netten und höflichen Ton mit ihr reden! Außerdem müsste ich einsehen, dass man Hunde nicht ständig beaufsichtigen könne, Kinder würde man ja auch ohne Aufsicht auf die Straße lassen!
Einfach, bezeichne ich diesen Vorfall deshalb, weil hier die Abrechnung mit der Versicherung einfach war, ein totes Schaf,  keine langwierigen Behandlungen, keine Folgekosten.

Das Schlimme an solchen Vorkommnissen ist, dass man eigentlich nie wirklich Ruhe hat, sondern in ständiger Sorge lebt. Wenn so ein Hund an die Herde kommt, wenn sie im Pferch ist, kann es passieren dass sie ausbrechen. Durch den Schreck rennen sie zusammen, drücken gegen das Netz. Manchmal findet man dann am nächsten Tag ein Lamm tot im Netz verheddert. Sind sie  ausgebrochen, kann das schlimme Folgen haben, wenn sie auf eine Straße gelangen. Nie werde ich den Anruf um Mitternacht vergessen: „ Du, Deine Schafe sind draußen, sie laufen grad Richtung Autobahn.“ (Es war die A8, und an dieser Stelle hat sie keinen Zaun.) Abgesehen vom Flurschaden kann das aber auch für die Schafe selber schlimme Folgen haben: Wenn sie z.B. in ein reifes Getreidefeld kommen, können sie sich überfressen und es gibt am nächsten Tag viele Tote und Kranke.
Ganz besonders schlimm finde ich, dass man auch nie in Ruhe für ein oder zwei Tage wegfahren kann. Auch wenn die Netze gut gesteckt sind, Futter, Wasser, alles da ist, so lebe ich doch immer in Sorge, dass ein fremder Hund einbrechen könnte. Ich kenne Kollegen, die aus diesem Grund nie wegfahren.

Dann gibt es noch die Hunde, die man sich ins Haus holt.
Wir suchten eine Aushilfe, und Schäfer Steffen eine Arbeitsstelle. Alles schien zu passen. Er hatte auch seine eigenen Hunde. Das Einzige worüber ich mir Gedanken machte, war, was denn dann meine Hunde mit ihrer vielen Freizeit anfangen würden.
Seine Hunde waren es gewohnt im Haus zu leben, meine nicht, und ich gestattete es auch den Gasthunden nicht. Nach einem langen arbeitsreichen Tag möchte ich die kurze Zeit abends gerne hundefrei verbringen. Steffen zog ein langes Gesicht und schluckte. Als nächstes hatte er die Hundezwinger zu desinfizieren und seine Hunde von ihren Mitbewohnern zu befreien. Denke, meine Hunde haben ein Recht auf ein flohfreies Dasein. Es ist mir sowieso unbegreiflich, wie wenig sich viele Menschen an den Flöhen ihrer Haushunde stören. Wieder macht Steffen ein langes Gesicht.
Die ersten Risse bei meinen Lämmern habe ich stillschweigend versorgt. Als es dann immer mehr wurden, und ich ihn darauf ansprach, gab es nur eine pampige Antwort. Und als ein Schaf so schwer gerissen war, dass es verendete, sollen es meine eigenen Hunde gewesen sein. Meine Schafe hatten auch nie Durst, es war immer genug Wasser da, bis ich entdeckte, dass seine Hund grundsätzlich zuerst in allen vier Tränkewannen gebadet haben. Und Futter war auch immer genug da, die Schafe waren immer satt, seiner Meinung nach. Meiner Meinung nach hat er sie mit seinen Hunden so zusammengestellt, dass sie gar nicht mehr gefressen haben. Eine Woche hat es gedauert, bis sie sich im Gehüt wieder verteilt haben und gefressen. Zur gegenseitigen Erleichterung wurde dieses Arbeitsverhältnis dann ganz schnell aufgelöst.

Mein neuestes „Erlebnis“: Es war ein ganz ruhiger Hütetag, als ich aus der Ferne vier große Hunde die Straße entlangkommen sehe. Zuerst glaube ich ja immer an das Gute. Aber sie laufen nicht weiter, sondern direkt auf die Schafe zu. Fallen in die Herde ein. Weiß gar nicht wie mir geschieht. Die Schafe rennen panisch in alle Richtungen. Werfe Mantel und Tasche weg und versuche sie  zu verteidigen. Gleichzeitig versuche ich meinen Hund zu schicken, damit sie mir nicht weglaufen. Einer der fremden Hunde hält sich zurück, einen anderen kann ich durch Drohen und Schimpfen von der Herde fernhalten. Da sind dann noch die zwei Dobermänner, einer treibt die Herde rechts der andere links. Habe alle Hände voll zu tun, dass sie mir nicht alle Schafe abtreiben. Einer der beiden hängt sich an meinen Bock, er ist so groß wie der Bock, und ich habe stattliche Merinoböcke. Schließlich geht der Bock zu Boden. Schlage mit meiner Schippe auf den Hund ein bis er ablässt. Dann fange ich den anderen ein, was glücklicherweise geht, da er nicht sehr schnell ist, und so mit den Schafen beschäftigt, dass er mich gar nicht bemerkt. Als ich beide Dobermänner an der Leine habe und mit meinem Hund die Herde wieder zusammen, erscheint nun auch die Besitzerin. Verlange von ihr Name und Anschrift, was sie nur widerwillig angibt und eine Unterschrift, dass sie für den entstandenen Schaden aufkommt. Es sei doch gar kein Schaden entstanden, es sei ja nirgends Blut! Blut sieht man tatsächlich nicht, aber erfahrungsgemäß sieht man das volle Ausmaß des Schadens erst hinterher. Die Schafe seien nicht in Panik versetzt worden! Und überhaupt, die Schafe wären ja gar nicht zu sehen gewesen! Wie denn auch? Sie war ja auch zwei Kilometer hinter ihren Hunden!
Als Francesco eintrifft, um mir zu helfen, fahre ich als erstes zu ihrem Auto, um die Autonummer aufzuschreiben, falls sie den falschen Namen angegeben hat.
Auf der Polizeistation wird mir mitgeteilt, dass ich auf dem falschen Revier bin, zuständig sei das Revier in dem es passiert sei. Frage den Polizisten, ob er es in Ordnung findet, wenn er mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern einen Spaziergang macht und vier große Hunde würden auf sie zu rennen?
Zwei Tage später hat mein junger teurer Spitzenbock, der nach langer Eingewöhnungszeit erst eine Woche im Ritt ist, eine Lungenentzündung. Trotz bester tierärztlicher Behandlung heilt nur der eine Lungenflügel aus, der andere bleibt angeschlagen; was bedeutet, dass ich damit rechnen muss, dass er mir bei der nächsten größeren Anstrengung umkippen kann.
Dies dann aber für einen Schadensersatz nachzuweisen ist extrem schwierig. Noch schwieriger ist es nachzuweisen, dass die überdurchschnittlich vielen Totgeburten in der nächsten Lammzeit auf dieses Ereignis zurückzuführen sind.

Natürlich habe ich meine Hoffnung nicht aufgegeben, dass es den verantwortungsbewussten Hundehalter gibt, der Rücksicht nimmt auf seine Mitmenschen, Mitgeschöpfe und die Umwelt. Glücklicherweise sind sie in der Mehrzahl. Neulich hatte ich mich schon gefreut, so jemand zu sehen. Der Hund verrichtet sein Geschäft, die Hundehalterin greift in die Hosentasche zieht etwas Weißes hervor. Na also, geht doch, denke ich. Da nimmt sie dieses weiße Etwas, nein nicht um die Hinterlassenschaft zu entsorgen, sondern um ihrem Hund das Hinterteil zu säubern. Noch lange leuchtet das Weiß des Papiertaschentuchs neben dem Hundehäufchen. (Ruth Häckh)

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Wolf + Artenschutz


Schafe, Wolf und Artenschutz

Gedanken zur Rückkehr der Wölfe nach Deutschland

Während andere Nutztiere ihr Leben zunehmend im Stall verbringen, halten die Schäfer an der traditionellen, tiergerechten und naturnahen Weidehaltung fest. Dadurch sind Schafe auch durch die rückkehrenden Wölfe bedroht.

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