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Auf dem Bockmarkt

Vor der Tierzuchthalle ist alles voll geparkt mit Schäferautos. Schäferautos sind anders. Jedes so individuell und unterschiedlich wie sein Besitzer. Man sieht Kombis, Geländefahrzeuge, neuere Modelle und solche mit Rost, welche mit und andere ohne Logo. Und doch haben sie alle etwas gemeinsam. Einige wenige sind sauber, meistens klebt jedoch eine mehr oder weniger dicke Schicht Erde von Geländefahrten bei nassem Wetter dran. Spätestens ein Blick in den Innenraum verrät ihre Aufgabe. Man findet Schäferschippe oder Fanghaken, Farbmarkierungsstifte, Jodprays, Pullis, Jacken, Regenschutz, volle und leere Getränkeflaschen ..... und jede Menge Erde auf den Fußmatten und überall eine dicke Staubschicht. Sicherlich kam keines je in Genuss eines Cockpit Sprays. Sie alle sind Gebrauchsfahrzeuge. Entweder als Transporter, innen ausgebaut zum Befördern von Schafen, oder mit Anhängerkupplung und Hänger dahinter. Früher sah man eher Busse in grün oder einer anderen der Umgebung angepassten Farbe, damit man vom Bauern nicht so schnell entdeckt wurde, heute sind es meist Allradfahrzeuge mit Hänger und einer Aufschrift, die die Dienstleistungen der Schäferei anpreist.
In Zeiten, als man froh war, überhaupt einen fahrbaren Untersatz zu haben, war es durchaus üblich, die Hunde oder auch mal ein Schaf im Kofferraum zu transportieren. Bei den Schafen gab es eine bestimmte Technik einen Vorderfuß zwischen die zwei Hinterfüße zu binden so dass es relativ ruhig lag.
Bei meinem ersten VW Käfer war der Beifahrersitz ausgebaut, wahlweise zum Transport der Hunde, eines Schafes mit Lamm oder des Kinderwagenoberteils.
Doch diese Zeiten sind längst vorbei, heute braucht man eine Transportzulassung für Fahrer und Fahrzeug, und Papiere für jeden einzelnen Transport.

Direkt vor der Halle bieten Händler ihre Waren an. Es ist alles zu haben, was ein Schäfer für den täglichen Gebrauch benötigt: Heuraufen, Futterbänder, Behandlungsanlagen, Klauenwannen, Elektronetze, Weidezaungeräte, Schermaschinen, Hundeleinen, Klauenmesser, Hüte, Regenmäntel, Schäferhemden....

Vor allem ist ein Bockmarkt aber auch wichtig, um sich mit Kollegen zu treffen und Neuigkeiten auszutauschen: Wer ist jetzt auf welcher Weide, dass das Futter im Herbst und Winter schon wieder weniger geworden ist, über die Schwierigkeiten die immer neuen Verordnungen einzuhalten, die Beziehung zum Nachbarn, Krankheiten in der Herde, Probleme mit fremden Hunden....

Aus der Halle dringt Stimmengewirr, der Geruch von Sägemehl steigt mir in die Nase.
Die Spannung der bevorstehenden Versteigerung liegt in der Luft.
Die Böcke warten in ihren Buchten auf den Verkauf. Gestern wurden sie gerichtet und gekört, das bedeutet bewertet und als für die Zucht für tauglich beurteilt.


Von jedem Bock gibt es einen Abstammungsnachweis mit seinen Leistungen und denen der Eltern und Großeltern. So z.B. die Fruchtbarkeit der Mutter, wie viele Lämmer sie in wie vielen Jahren geboren und aufgezogen hat. Ob er als ein Einling oder Zwillingslamm geboren wurde, welchem Genotyp er angehört; Bemuskelung, Wolle und äußere Erscheinung werden benotet, zusätzlich sind acht Halbgeschwister auf Station geprüft auf tägliche Zunahmen, Futterverwertung und Schlachtkörper. Aus all diesen Werten errechnet sich der Zuchtwertindex eines Bockes.

Vor der Versteigerung schaue ich mir alle Böcke genau an, da gibt es welche, die ich auf Grund ihrer Bewertung nicht möchte. Schaue mir auch die Wolle an, heutzutage spielt die Wollqualität eine sehr untergeordnete Rolle, doch ich lege Wert auf eine gute Wolle und möchte die Qualität in meiner Herde beibehalten. Natürlich muss er mir auch durch sein Aussehen gefallen, obwohl das natürlich keinen besseren Lammfleischpreis gibt. Einer ist dabei, der hat hässliche Falten im Gesicht, als er am Ende der Versteigerung nicht verkauft ist, weiß ich, dass auch andere auf das Aussehen achten. Zumindest wenn man hütet und den ganzen Tag seine Schafe anschaut ist das verständlich. Männer können das sowieso besser verstehen, auch schöne Frauen sind immer begehrter, obwohl sie nicht zwangsweise besser kochen oder günstiger im Unterhalt sind.

Gruppenweise kommen die Böcke in den Ring. Und  jeder einzelne wird durch den Auktionator kurz vorgestellt und sein Züchter präsentiert ihn im Freilauf während er versteigert wird.
Der Auktionator beginnt mit einem Mindestpreis, dem Ausgebotspreis, der bei 400.- € liegt, und jeder Kauf interessierte meldet sich per Handzeichen. Bei jeder neuen Meldung wird der Bock um 50.- € teurer, bei über 1000.- € sind es 100.- €, was aber nicht so häufig vorkommt. Auch bei den Auktionen spürt man dass die Schäfer nicht mehr so gut bei Kasse sind, wie zu früheren Zeiten. Geht kein Gebot mehr ein, bekommt ihn der, der zuletzt geboten hat durch Zuschlag mit dem Hammer. Der Auktionator hat jeweils noch den Zuchtleiter und einen Züchter an seiner Seite, damit ihm auch kein Gebot entgeht.


Obwohl er durchs Mikrofon spricht, würde man ihn mit seiner lauten Stimme auch ohne Mikrofon gut verstehen. Das macht ihn mir auch bei sonstigen Gesprächen sehr sympathisch, ich muss nie nachfragen, obwohl die Hörleistung meiner Ohren schon nachgelassen hat. Auch gefällt mir ganz gut, dass er immer genau das sagt, was er denkt, doch das ist nicht jedermanns Sache. Und da er selber Züchter ist, verkauft er jeden Bock so, als sei es sein eigener.
Und bei Biertischdiskussionen wird er schon mal sehr hitzig bei der Frage, ob man denn auch mal ein unkastriertes Lamm des Nachbarn in seiner Herde laufen lassen darf. So hitzig, das ich schon im Stillen gehofft habe, dass die Leistung seines Herzens dem Ausbruch der hochkommenden Emotionen gewachsen ist.

Meine Erfahrung ist halt die, dass die Auktionsböcke, die unter besten Bedingungen im Stall mit viel Kraftfutter gemästet worden sind, es sehr schwer haben, sich an die rauen Bedingungen der Wanderschafhaltung anzupassen, jetzt sollen sie ihr Futter selber suchen, womöglich noch weit laufen und dazu noch Schafe decken. Da braucht es eine lange Umstellungszeit.
Im laufe der Jahre sind mir sehr viele Böcke aus den unterschiedlichsten Gründen vorzeitig abgegangen. Irgendwann war ich so sauer, dass ich mir gesagt habe, wenn ich sowieso einen von zwei Böcken verliere, kaufe ich mir eben gleich zwei, so bin ich mir sicher, dass mir einer bleibt. Das funktioniert gut, und seither habe ich so gut wie keine Verluste mehr. Hilfreich ist dabei sicherlich, dass der Bock mit einem Kumpel, den er von der Auktion oder aber spätestens vom Transport her kennt, sich mit dem Einleben in der neuen Umgebung leichter tut.

Als ich die Chronik des Brenztalvereins, des größten süddeutschen Schäfereivereins schrieb, las ich in den alten Berichten, dass Hammel und Schafe immer  nur paarweise verkauft wurden. Die werden schon gewusst haben warum. Ein Grund wird sicherlich gewesen sein, dass als es noch keine Autos gab, und man zu Fuß nach Hause marschiert ist, sie zu zweit bestimmt besser gelaufen sind.
1950 gab es die erste Bockversteigerung des Landesverbandes in Heidenheim.
1967 wurden erstmals Böcke anderer Rassen gekört, vorher gab es nur Württemberger.
Im Landkreis Heidenheim gab es 60 größere Herden.
1955 kostete 1 Paar Hammel 230,- DM und ein Paar Brackschafe 150,- DM.
Damals kostete eine Brezel 5 Pfennig, wenn ich das umrechne, müssten bei gleicher Preissteigerung 1 Paar Hammel 4.600,- € und ein Paar Brackschafe 3.000,- € kosten.
Drei bis vierjährige Hammel gibt es ja nicht mehr, und für meine letzten Brackschafe habe ich 30,- € bekommen, für´s Paar.

So sind es auch bei mir diesmal zwei Böcke. Der erste ist relativ günstig, es war nicht meine erste Wahl, die Mutter hatte keine sehr gute Wolle, doch der Bock selber ist gut, hat gute Papiere, sieht gut aus, so habe ich gesteigert und schon nach dem zweiten Handzeichen hat niemand mehr geboten, also war er meiner. Der zweite ist wesentlich teurer, doch den wollte ich mir nicht entgehen lassen. Die anderen, die mir gefallen haben, wurden gleich als erstes versteigert, und die ersten Böcke sind erfahrungsgemäß immer eher teurer. Die, die nachher noch kommen werden, gefallen mir alle nicht so gut. Also steigere ich, immer weiter, und weiter. Der hier hat einen super Zuchtwertindex und sieht sehr gut aus. Anscheinend finden das andere auch. Und nochmals hebe ich die Hand. Was? Da überbietet mich noch einer! Ist es denn nicht an der Zeit für die anderen aufzuhören? Den möchte aber ich! Steigere auf über 1000.-€. Kenne mich selber nicht mehr. Bin ganz aufgeregt. Bisher habe ich immer eher günstige Böcke gekauft.
Einmal auf einer Auktion habe ich einen Bock zum Anschlagpreis bekommen, den wollte keiner,  weil er zu klein und zu leicht war. Hinter meinem Rücken habe ich gespürt, wie meine Kollegen mich belächelt haben, doch ich war gerade geschieden und führte den Betrieb alleine. Was mache ich da mit einem Bock, der mehr als doppelt so viel wiegt wie ich?
Heute lasse ich mir den Schönsten und Teuersten vom Züchter zum Hänger bringen.

Viele Hänger stehen bereits rückwärts an der Rampe, damit die Böcke eingeladen werden können. Ein kleiner Suzuki Geländewagen hat keinen Hänger, zwei Männer laden den Bock direkt ins Auto. Eine Transportvorrichtung kann ich nicht erkennen.
Innerlich muss ich schmunzeln. Ich bin auch schon auf den Bockmarkt gefahren, um mir  Bundeswehrlederstiefel zu kaufen, und mit einem Bock heimgekommen. Und diese Heimfahrt werde ich nie vergessen, vorne im Auto bin ich schier gestorben vor lauter Aufregung, ob es dem Bock hinten auf der Pritsche des Pick-up auch gut geht, und war bei der Ankunft völlig fertig, der Bock stieg dann ganz gelassen und seelenruhig von der Pritsche.
Und es kommt mir eine Geschichte in den Sinn: Vor vielen Jahren, als mein Bruder Jakob heiratete, wollte ich ihm zur Hochzeit einen Jakobschafbock mit vier Hörnern schenken. Den habe ich auf einem Haustierhof gekauft, und mir anscheinend keine Gedanken über den Transport gemacht, obwohl die Fahrt über zwei Stunden ging. Ich wollte ihm die Füße zusammenbinden, so wie ich das kannte, doch der Besitzer meinte, ich solle ihn einfach stehen lassen und losfahren. Ich hatte einen normalen Kombi, und er hätte mir mit Leichtigkeit durch jedes einzelne Fenster springen können, doch er tat es nicht. An jeder roten Ampel betete ich, dass er mir nicht über die Schulter durch die Frontscheibe sprang. Doch er stand wie angewurzelt, bis ich zu Hause bei der Herde die Hecktüre öffnete und er mit einem großen Satz seine neue Herde begrüßte.

Heute fahre ich meine Böcke mit einem Allradfahrzeug und einem neuen englischen Spezialtransporter von Graham Edwards  nach Hause. (Ruth Häckh)

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Wolf + Artenschutz


Schafe, Wolf und Artenschutz

Gedanken zur Rückkehr der Wölfe nach Deutschland

Während andere Nutztiere ihr Leben zunehmend im Stall verbringen, halten die Schäfer an der traditionellen, tiergerechten und naturnahen Weidehaltung fest. Dadurch sind Schafe auch durch die rückkehrenden Wölfe bedroht.

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