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Schwarzwildschäden in der Schäferei
31.01.2015 11:19 (2320 x gelesen)

Wildschäden in der Schäferei

Erhöhte Wildschweinbestände ziehen zwangsläufig vermehrt Wildschäden nach sich. Vielerorts prägen gegenseitige Schuldzuweisungen zwischen Jägern, Bauern und Behörden den Alltag in den Betrieben. Hiervon sind leider auch häufig Schäfereien betroffen.

Foto : Wühlschaden auf einer Vertragsnaturschutzfläche im Oberbergischen / NRW



In NRW hatten wir gemeinsam mit dem Landesschafzuchtverband am 22.Januar 2015 die Gelegenheit, im Landtag anlässlich der Verbändeanhörung zur Jagdrechtsreform Stellung zu beziehen und auf die Bedürfnisse der Schäfer aufmerksam zu machen.

Gerade in der Schäferei gelingt es zunehmend seltener, den gesetzlich festgelegten Wildschadenersatz auch tatsächlich zu bekommen. Es liegt in der Natur der Sache, dass niemand gern für Schäden zahlt – erst recht dann nicht, wenn er sie nicht verursacht hat und sie auch nicht verhindern konnte. Dennoch regelt der Gesetzgeber ganz klar, dass geschädigte Landwirte Anspruch auf Schadenersatz haben. Schadenersatzpflichtgig ist die Jagdgenossenschaft, die aber meist diese Pflicht auf die Jagdpächter übertragen hat. Die umfangreichen rechtlichen Regelungen möchte ich jetzt hier nicht aufgreifen (sie können aber gern bei uns erfragt werden). Am Herzen liegt mir aber, dass möglichst keine Schäferei mehr durch ausufernde Wildschäden in Existenznot gerät, wie in der Vergangenheit mehrfach geschehen.

Meist schaukelt sich eine existenzbedrohende Situation recht langsam hoch. Erst sind die Schäden noch überschaubar, man drückt ein Auge zu weil man ja als Schäfer sehr friedliebend ist und keinen Streit möchte. Dann nehmen die Schäden zu und man merkt, dass man um eine Schadenersatzforderung nicht herumkommt. Hat man es mit einem bodenständigen Jäger mit Verständnis für unseren Beruf zu tun, gibt es meist keine Probleme. Es kann aber aus den verschiedensten Gründen auch anders kommen...........

Um das zu verhindern, ist Fingerspitzengefühl und noch so manches mehr gefragt. Dazu hat das Landwirtschaftszentrum Baden-Württemberg  einige hilfreiche Tipps veröffentlicht (sie lassen sich übrigens in vielen Lebenssituationen verwenden):

Mangelnde und nicht gelungene Kommunikation ist die Hauptursache für viele Konflikte. Nur wenn man miteinander redet, kann man Verständnis und Problemlösungen finden. Das Ignorieren eines Konfliktpartners provoziert emotionale Reaktionen.

In einem partnerschaftlichen Gespräch entsteht Vertrauen zueinander und man kann vom Gegenüber noch etwas lernen.

Eine gewisse Gesprächskultur ist hilfreich. Zuhören ist für viele Menschen schwieriger als sprechen. Zuhören ist ein aktiver Teil, wenn man dem Gegenüber wortlos zu verstehen gibt: „Ich höre Dir zu und versuche Deine Argumente und Deinen Standpunkt zu verstehen“.

10 Tipps zur Problemlösung

(nicht nur) im Wildschadensfall:

  1. Rechte und Pflichten kennen
  2. In schwierigen Fällen Hilfe Dritter in Anspruch nehmen
  3. Das Gespräch mit dem Konfliktpartner suchen
  4. Zuhören und ausreden lassen
  5. Bei Unklarheiten nachfragen
  6. Bestimmt und fair seinen Standpunkt vertreten
  7. Den Standpunkt des Konfliktpartners respektieren
  8. Immer „Gütliche Einigung“ anstreben
  9. Abmachungen und Vereinbarungen einhalten
  10. Den Konfliktpartner und sich selbst zum „Gewinner“ machen

In der Praxis ist häufig der erste Punkt auch schon der erste Stolperstein: „Rechte und Pflichten kennen.“

Hier wird viel vermutet, diskutiert, vom Nachbarn aufgeschnapptes weitergegeben, angeblich „amtliches“ für die jeweilige Situation passend zurechtgebogen. Das ist der beste Nährboden für Zerwürfnisse.

Ich habe mal ein paar Praxisbeispiele solcher häufig geäußerten „Vermutungen“, die den Schadenersatz verhindern sollen, zusammengestellt und die passende Antwort dazu:

  • Der Jäger zahlt für den Schaden, also bestimmt er auch, wer repariert und in welcher Weise. Futterverlust braucht nicht ersetzt zu werden.
  • Der Gesetzgeber sagt, dass Geschädigte durch Schadenersatz so zu stellen ist, als wenn der Schaden nicht eingetreten wäre. Das bedeutet, dass der Aufwuchsschaden ersetzt und die kompletten Reparaturkosten bezahlt werden müssen. Hier hat der Geschädigte die Wahl, ob er die Arbeit von einem Lohnunternehmer verrichten lässt oder ob er die Reparatur selbst durchführt. In dem Fall muss der Jagdpächter aber dennoch die Kosten, die ein Lohnunternehmer in Rechnung stellen würde, an den Landwirt zahlen. Der Geschädigte hat hier die Wahlfreiheit. Das Gebot der Schadensbegrenzung erfordert natürlich, dass man sich nicht den teuersten Lohnunternehmer als Maßstab heraussuchen darf. Darüber hinaus müss(t)en auch Mehrkosten für die Ersatzfutterbeschaffung u.ä. erstattet werden. Es ist aber schwierig, das in der Praxis auch umzusetzen.
  • Das amtliche Vorverfahren (bzw. Schadenfeststellungsverfahren) war fehlerhaft. Dadurch ist der Schadenersatzanspruch verloren.
  • Hier wird dann gerne Wildschadensverhütung in der Anwaltskanzlei betrieben. Vielfach entscheiden Gerichte mittlerweile aber dahingehend, dass das Vorverfahren durchgeführt und eindeutig Wildschaden festgestellt werden muss. An reinen Formalien scheitert der Ersatzanspruch dann häufig nicht mehr. Dennoch ist darauf zu achten, dass die Vorverfahren korrekt durchgeführt werden. Vor allem muss der Geschädigte die entdeckten Schäden fristgerecht bei der zuständigen Gemeinde melden. Ein feiner Zug ist auch, den Jagdpächter über die Schäden in Kenntnis zu setzen. Oftmals kann er jagdlich schnell eingreifen und schlimmeres dadurch verhindern.
  • Schafhaltung ist keine Landwirtschaft, wenn sie Flächen im Vertragsnaturschutz bewirtschaftet. Die Weiden sind keine landwirtschaftliche Nutzfläche.
  • Selbstverständlich ist Schafhaltung Landwirtschaft und auch Flächen im VN sind landwirtschaftliche Nutzfläche, auf der Schäden zu ersetzen sind.
  • Eure Weidezäune sind nicht in Ordnung, dadurch konnten die Wildschweine auf die Wiese.
  • Niemand ist verpflichtet, auf normaler LNF (also nicht Sonderkultur) Schutzzäune gegen Wildschweine zu errichten. Jäger nicht und Landwirt nicht. Allerdings sollte man das Angebot des Jägers, Schutzzäune zu errichten, nicht ablehnen. Dadurch verliert man den Schadenersatzanspruch. Tipp : Baut man den Schutzzaun mit dem Jäger gemeinsam und trinkt anschließend ein „Feierabendbier“ zusammen, so ist ein Grundstein für ein gutes Miteinander gelegt.
  • Ihr habt keine Schussschneisen im Mais angelegt. Dadurch konnten wir die Schweine nicht schießen, die nun den Mais plattgewalzt haben.
  • Nur wenige Schafhalter bauen Mais an, aber für Betroffene entstehen schnell hohe Schäden. Das Landgericht Hildesheim hat am 4. Juli 2014 ein Grundsatzurteil gefällt, dessen Begründung auch Wesentliches für die Beurteilung von Schadenersatzverfahren enthält: Ein Landwirt ist grundsätzlich nicht verpflichtet, Bejagungsschneisen auf seinen Flächen anzulegen, sonst würde er sich ja selbst direkt schädigen, so das Gericht. Auch wenn der Jäger ihn auffordert, eine Schneise anzulegen, kann er dies ablehnen. Trotzdem hat er grundsätzlich Anspruch auf vollen Schadenersatz, wenn ein Wildschaden entsteht, so das Gericht.
    Etwas anderes sieht die Rechtslage jedoch aus, wenn der Jäger dem Maisanbauer sinngemäß Folgendes anbietet: „Du, lieber Landwirt, legst freiwillig eine Bejagungsschneise an und für den Ertragsausfall zahle ich Dir eine angemessene Entschädigung.“ Lehnt der Landwirt das Angebot aus welchen Gründen auch immer ab, so das Gericht weiter, kann er später nicht den vollen Schadenersatz vom Jäger fordern. Denn dann müsse er sich ein Mitverschulden am Wildschaden anrechnen lassen. Durch seine Blockade habe er dazu beigetragen, dass ein höherer Wildschaden entstanden sei, dies müsse er sich anrechnen lassen.
  • Schäden an Weidezäunen müssen nicht ersetzt werden.
  • Wenn eine Rotte Wildschweine in eine Weide einbricht, ist der Zaun oftmals auf mehrere Meter zerstört. Schäden an fest mit dem Grundstück verbundenen Zäunen (z.B. Eichenpfähle mit Schafskonotengitter) müssen ersetzt werde. Schäden an mobilen Zaunanlagen (Hütenetze, Litzenzäune mit Schnellzaunpfählen) nicht.

Für weitere Praxisbeispiele wäre ich dankbar. Beliebt ist auch die Geschichte mit den Obstbäumen. Hier hängt vom Einzelfall ab, ob Schadenersatzanspruch besteht und die Gerichte urteilen unterschiedlich.

Zu Tipp 3 : „Das Gespräch mit dem Konfliktpartner suchen“ noch ein Hinweis. Für uns Selbstverständliches und Alltägliches kann für den Gegenüber völliges Neuland sein. Wir wissen, dass eine frisch eingesäte Wiese Monate braucht, bis die neue Grasnarbe so fest verwurzelt ist, dass sie beweidet oder gemäht werden kann. Wir wissen, dass es Weidefläche nicht als „Ersatzfutter“ zu kaufen gibt – wir den Futterersatz in der Vegetationszeit also innerbetrieblich irgendwie beschaffen müssen. Wir wissen, welche Kraft eine in Panik fliehende Schafsherde besitzt und dass kein Zaun sie dann aufhalten kann. Dem Jäger – je nach seinem beruflichen Hintergrund – ist das aber möglicherweise auf den ersten Blick nicht so klar. Redet darüber! Nicht vorwurfsvoll, sondern als Beschreibung Eurer beruflichen Tätigkeit. Hilfreich ist in solchen Fällen auch unsere neue Broschüre, die man bei so einem Gespräch überreichen kann. So machen wir deutlich, dass Schafe die Lebensräume des Wildes erhalten. Dass Jäger und Schäfer Partner in der Feldflur sind – nicht Feinde.

Karin Viesteg

Stellv. Sprecherin Bundesverband Berufsschäfer

Wildschadensbeauftragte des Landesschafzuchtverbandes

Tel.: (0 22 64) 84 24
Fax: (0 22 64) 28 61 14
Email: karin.viesteg@berufsschaefer.deNRW


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