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Ruth auf dem Welthirtenkongress in Nairobi
23.01.2014 17:46 (2967 x gelesen)

Ruth in Nairobi auf dem Welthirtenkongress

Auf Einladung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und verschiedener weltweit tätiger Organisationen war unser Vorstandsmitglied Ruth Häckh im Dezember 2013 in Nairobi zum Treffen der Hirten und Nutztierhalter aus aller Welt.

 



Aufnahmen vom Welthirten treffen finden Sie hier

Welthirtentreffen
Global Pastoralists Gathering
Nairobi, Kenya 9. - 15.12.2013


Pastoralism for a Sustainible Future
Hirtentum für eine nachhaltige Zukunft


Ich nehme mit: Sonnenbrille, Sonnencreme, Strohhut, Ticket, Reisepass, Handy mit Ladekabel (evtl. Adapter) Foto mit Ladekabel und neuer Speicherkarte,  Geldbeutel mit Inhalt,
Schreibzeug, Brille,
meine roten Turnschuhe, Sandalen, einen Rock, eine Pumphose, eine normale Hose, eine kurze Hose, fünf Slips (ja, lacht nur, ich bin mir sicher, dass jeder von Euch Unterwäsche trägt – der eine in weiß, Feinripp; der andere in rot, Tanga), zwei Unterhemden, zwei T-Shirts, zwei ärmellose Shirts, eine langärmlige Bluse,
für An- und Abreise ein dicker Pulli, dicke Jacke, lange Unterhose, lange Hose,
Zahnbürste, Zahncreme, Kaugummi, Seife, Haarbürste, Haargummis, Creme, Badeanzug,
mehrere Filme und CD´s als Gastgeschenke.
Das war der einfachste Teil.

Aber, damit ich überhaupt in Kenia einreisen darf, brauche ich einen Pass. Genau einen Tag bevor ich von der Möglichkeit erfahren habe, nach Nairobi zu reisen, war ich auf dem Rathaus um einen neuen Pass zu beantragen. „Wie schnell brauchen Sie ihn denn?“ „Es hat überhaupt keine Eile, im Moment brauche ich gar keinen Pass, ich habe auch nichts vor, dachte nur, sicherheitshalber, der Alte ist ja abgelaufen.“ Zwei Tage später: „Ich bräuchte den Pass jetzt doch. Geht das auch schneller? Die Organisation braucht die Passnummer für das Ticket.“ Nach etlichem Hin und Her bekomme ich einen vorläufigen Reisepass.

Nun kommt die zweite Hürde, die Gelbfieberimpfung. Und der Hausarzt macht das nicht. Ja, wer kann das dann? Nach langen Telefonaten werde ich an das Tropeninstitut der Uniklinik Ulm verwiesen. Von Impfungen habe ich nie viel gehalten, bin ziemlich nervös und habe Angst umzukippen. Im Behandlungsraum sehe ich eine Liege, da könnten sie mich dann drauflegen, sie sind  ja zu dritt, der Arzt und zwei Assistenten. Kritisch beäugt er meinen Impfpass. Also ich sei ja schon mal geimpft (1988, laut Vorgaben darf die Impfung aber höchstens 10 Jahre zurückliegen), und wie weit ich denn ins Landesinnere fahren würde (weiß ich doch nicht), wenn ich in Nairobi bleibe, bräuchte ich keine Impfung, und überhaupt, die Situation sei sehr schwierig im Moment, sie hätten nämlich gar keinen Impfstoff.
Aber ich bräuchte eine Auffrischung für Mumps, Masern, Röteln, ebenso Hepatitis A, Polio und Diphtherie. In Gedanken springe ich ihm ins Gesicht, das wäre der sicherste Weg mich vorher noch krank zu bekommen. Überglücklich und pudelwohl verlasse ich das Klinikum. In meinem Impfpass steht: Nichtimpfung aus medizinischen Gründen.

Hurra!!! Jetzt steht meiner Reise zum Welthirtentreffen nichts mehr im Wege.
Bis auf das Formular, das ich noch auszufüllen habe. Erst lässt es sich nicht öffnen, dann kann ich nicht reinschreiben, weil ich das Programm nicht auf dem Rechner habe. Meine Englischkenntnisse habe ich bis dato auch immer für gut gehalten. Was die alles wissen wollen! Wer das Geld bekommt, falls ich nicht mehr zurückkomme. Aha, interessant. Und Zeugen, dass meine Unterschrift auch richtig ist. Nach einigen Mühen ist auch das richtig ausgefüllt und abgeschickt.
Die vielen Mails in Englisch und Französisch  bringen mich ganz durcheinander. Fahre ich nach Amsterdam, und fliege dann direkt nach Nairobi, oder mache ich einen Zwischenstopp in Dubai?
 Und ein Visa brauche ich auch noch! Die Kenianische Botschaft in Berlin gibt die Auskunft, ich solle meinen Pass hinschicken – das kommt gar nicht in Frage, da kann ich gleich daheim bleiben, da es nur noch ein paar Tage sind. Oder ich soll es beim Konsulat in Stuttgart abholen. Wie soll ich das schaffen, auch noch vorher zusätzlich einen Tag vom Betrieb weg?  Nach längeren nervenaufreibenden Nachforschungen erfahre ich, dass ich es auch noch vor Ort beantragen kann. Und wenn sie mich nicht reinlassen?  Und die Malariaprofilaxe? Spätestens jetzt ist der Punkt erreicht, an dem... ja, wenn ich vorher gewusst hätte, was da so alles auf mich zukommt! Aber als ich vor dem Traualtar stand, habe ich auch nicht gewusst, was auf mich zukommt. Manchmal ist es besser so im Leben.
Ich bin nervös ohne Ende. Werde ich überfallen? Beklaut? Verteile mein Geld an vier Stellen. Mache Kopien von Reisepass und Impfpass. Kommt mein Gepäck am gleichen Flughafen wie ich an? Werde ich abgeholt? Habe Angst vor dem Flug, und dann noch bei Nacht. Da werde ich hinterher fix und fertig sein. Francesco: „Wieso fährst Du da überhaupt hin? Bleib doch zu Hause, da hast Du den ganzen Stress nicht.“

Genau an meinem Geburtstag kommt mein Flugticket nach Nairobi, Kenia.

Ein paar Tage später sitze ich im Zug nach München. Die andern im Abteil fahren auf den Weihnachtsmarkt. Zum Bummeln und Glühweintrinken, nicht zum Einkaufen, sie wissen gar nicht mehr, wo sie denn das ganze Zeugs hinstellen sollen. So übersättigt sind wir schon.
Auf dem Flughafen habe ich Zeit. Ich schaue mir die Menschen an die da so arbeiten. Die Putzfrauen; die Verkäuferinnen; die von der Sicherheitskontrolle, die den ganzen Tag fremde Leute abtasten; der Polizist, der alle halbe Stunde mal seinen Platz wechselt, ich kann wenigsten die Wiese wechseln. Die Verkäuferin von Edeluhren und Edelhandtaschen schaut besonders traurig, das versöhnt mich wieder etwas mit meinem Schicksal, das mich letzte Woche mit mittelgradiger Angina hat draußen stehen lassen, und mir die Frischluft des Orkans um die Ohren gepfiffen ist.
Und spätestens jetzt weiß ich, warum ich am liebsten unter Schafen bin, die nehmen sich nicht so wichtig. Menschen nehmen sich und ihre Probleme oft so furchtbar wichtig und stellen das dann lautstark zur Schau. Schafe verhalten sich auch im Treibgang besser, warten geduldiger, drängen nicht so. Das Gate, der Weg zum Flugzeug ist ja nichts anderes wie ein geschlossener Treibgang, dabei sollte man meinen die Menschen seien mit Verstand ausgestattet und würden sich vernünftig verhalten.

Als der Morgen dämmert komme ich im Morgenland an, Dubai, Vereinigte Arabische Emirate. Zuhause hatte ich versucht die Stadt in meinem Schulatlas zu finden, vergeblich. Francesco: „Das kannst Du gar nicht finden, der Atlas ist von 1973, da war Dubai noch ein Beduinendorf.“
Vom Flugzeug aus sehe ich viel Sand; Wüste; und da wo ein Flecken grün ist, ist bewässert. Die Autobahnen sind fünf und sechsspurig. Normale Straßen scheinen sehr verloren in der Sandwüste. Ob die bei Sandsturm wohl den Sand schieben müssen, wie wir den Schnee im Winter? Sehe die Skyline von Dubai, in echt, nicht nur auf der Postkarte. Der Flughafen übertrifft sämtliche Vorstellungskraft an Größe und Bauwerden. München dagegen, war gestern, wie Provinz. Unermessliche Ladenpassagen, zollfrei einkaufen; Zigaretten, Alkohol, Schokolade, Uhren, Schmuck, Parfüm, Markenkleidung, Konsum pur.

Afrika, eine andere Welt. Erst Wüste, dann Grasland mit Büschen und Tieren drauf , die es beweiden. Dabei hatte ich mich auf Urwald gefreut.
Pünktlich als das Flugzeug landet, fängt es zu regnen an, so wie es der Wetterbericht vorhergesagt hatte, Regen von der Ankunft bis zum Abflug. Was heißt hier Regen? Es schüttet wie aus Kübeln, eine Dusche ist ein leichter Schauer dagegen.
Hier in Kenia fahren sie auf der linken Straßenseite, man denkt immer man sei verkehrt, und wenn sie überholen fühlt man sich richtig. Ansonsten erkenne ich kaum Regeln, außer, dass sie auf ihrer Straßenseite bleiben, meistens jedenfalls. Es wird viel mit der Hupe gefahren, Angst habe ich aber keine gehabt, denn bei ein paar Zentimetern Abstand zwischen den Fahrzeugen, kann nicht wirklich viel passieren. Vor allem aber fällt mir auf, dass sich kein Mensch über irgendwas aufregt, und hier gäbe es wirklich sehr viel Grund dazu.
Nach langen Stunden kommen wir am Camp an. Wie wir über diese rutschige und löchrige Holzbohlenbrücke gekommen sind ohne abzustürzen ist mir ein Rätsel, genauso, wie der Taxifahrer die Schlammlöcher passiert hat ohne steckenzubleiben.
Ja, jetzt bin ich da, im Camp, Emasho Camp Lodge.  Was hatte ich erwartet? Dass sie Hirten und Wanderschäfer im fünf Sterne Hotel unterbringen? Dass die Unterbringung in Zelten erfolgt stand ja in der Einladung. Es ist eine standesgemäße Unterbringung, mobile Unterkunft für mobile Menschen. (Werde nie wieder ohne Taschenlampe verreisen.)
Die Begrüßung ist mehr als herzlich. Fast augenblicklich bin ich mit allen anderen aus Europa bekannt.
Nach dem Abendessen zeigt die Gruppe aus Tibet Bilder von ihrem Land und hält einen Vortrag. Das Ziehen mit ihren Herden wird immer schwieriger, viel Land fällt weg, da es anderweitig kultiviert wird. Auch der zunehmende Straßenbau ist ein Problem, da die Chinesen das Nomadentum als überholt ansehen und oft absichtlich in die Herden fahren. Dabei haben die tibetischen Nomaden eine Kultur, die viele tausende von Jahren alt ist, sie pflegen mit ihren Herden riesige Flächen, die als Trinkwasserreservoir dienen. Zudem zerstören die Chinesen die tibetische Kultur indem sie sie übernehmen und als ihre eigene ausgeben.

Am nächsten Morgen „fremdele“ ich etwas, also frühstücke zwischen Cowboy und Indianer, die sind mir kulturell noch am nächsten.
Zur Einstimmung in die Gruppenarbeit singen uns die Navajos ein Lied.
Dann geht es in internationalen Gruppen um die Stärkung des Hirtentums. In meiner Gruppe sind Kollegen aus Tansania, Indien, Somalia, Pakistan, Nepal, Namibia, Argentinien, Jordanien, Italien. Bin mehr als überrascht wie viel wir alle gemeinsam haben:
Die Beweglichkeit unsere Herden wird immer stärker eingeschränkt.
Das wirtschaftliche Überleben wird immer schwieriger.
Es fehlen Beweidungsrechte und Rechte auf natürliche Ressourcen.
das Land, das uns zur Verfügung steht, wird immer weniger, auch ein Nationalpark oder eine wilde Weide verdrängen Hirten, zerstören ihre Lebensgrundlage
Es gibt zu wenig Repräsentanz in der Politik,  oft werden ohne unser Wissen Entscheidungen zu unserem Nachteil getroffen.
Das Ansehen des Berufsstandes ist nicht genug ausgeprägt.
Bei den Afrikanern ist die Bildung ein ganz wichtiger Punkt. Oft haben die Nachfolger keine Bildung, und wenn sie eine haben gehen sie in andere Berufe. Die Navajos haben ein Sprichwort das besagt: „Zeige deinen Ziegen nie die Felsen, und deinen Söhnen nie die Stadt.“ Dabei sind es gerade die Hirten die die kulturellen Werte eines Landes erhalten und weitergeben.
Weiterhin erörtern wir:
was hat nie gut funktioniert, früher nicht und auch heute nicht. Z.B. das Verhältnis von
wandernden Hirten und sesshaften Bauern
was funktionierte früher gut und heute nicht mehr. Z.B. das problemlose Wandern und
das Finden von Futter
was gab es früher nicht und funktioniert heute sehr gut. Z.B.moderne Medien wie Handy
und Internet
was funktionierte früher wie auch heute gut. Z.B. dass wir unsere Tiere das ganze Jahr über
draußen halten können bzw. könnten ohne Zufuhr von außen, in Form von Energie oder Futtermitteln. Hirten erhalten Ökosysteme und die ökologische Vielfalt. Statt Busch oder Wald gibt es artenreiches Grünland, mit vielen verschiedenen Gräsern, Kräutern, Blumen, Insekten und Vogelarten.

Mittags stimmen uns die Massai mit einem gemeinsamen Refrain (Massai Malenda Linga) auf die kommende Arbeit ein.
Wir sind fast hundert Hirten (Hirtenführer und Leiter von Organisationen) aus 38 Ländern.
Das geht vom Rentierhalter in Schweden, Schafhirten aus Frankreich, Ziegenzüchter aus Spanien, über den Cowboy aus Arizona, Navajos von den Höhen Colorados, Hirten aus Peru aus den Anden, Tuareg aus Marokko, Massai aus Afrika, Kamelzüchter aus Indien, Wasserbüffelnomaden aus dem Himalaya, über Hirten in der Mongolei zu Yakhaltern aus Nepal.
Wir alle erarbeiten Forderungen, die dann von den Organisationen in internationalen Verhandlungen vorgebracht werden.
Hauptsächlich unterstützt werden wir von der FAO. Das ist eine internationale Organisation für Ernährung und Landwirtschaft. Die FAO hat erkannt, dass das Hirtentum einen wichtigen Beitrag zur Welternährung leisten kann. Hirten in aller Welt wirtschaften nachhaltig und erzeugen dabei noch hochwertiges Fleisch und beste Milch. Ein Viertel der Erdoberfläche ist Grasland, das nur durch Beweidung genutzt werden kann und beim Klimaschutz eine wichtige Rolle spielt. Auch die IUCN und weitere Organisationen unterstützen das Hirtentreffen.

Folgende Forderungen werden von uns erarbeitet:
 - Bewegungsfreiheit für Hirten und ihre Herden
 - Schutz des Weidelandes
 - Anpassung der Gesetze
 - Erhaltung ihrer Kultur
 - von der Liga der Hirtenvölker gibt es bereits Forderungen, die übernommen werden sollen:
     - Nutztierhalter haben das Recht auf eigene Zuchtentscheidungen und die Weiterzucht ihrer                        
       Rassen
     - Nutztierhalter haben ein Mitspracherecht bei der Ausarbeitung, Formulierung und Umsetzung
       von Gesetzen, die ihre tiergenetischen Ressourcen betreffen
     - Das Recht auf angemessene Aus und Weiterbildung
     - Unterstützung ihre Tiere zu halten und ihre Produkte zu vermarkten.
     - Das Recht auf Informationen, die ihre Angelegenheiten betreffen
 - Der 26.November soll zum Welthirtentag erklärt werden. Die Bevölkerung soll auf unsere Anliegen aufmerksam gemacht werden, denn weite Teile stehen hinter unserer nachhaltigen Wirtschaftsweise. Und mit Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit sollen die Politiker zum Handeln veranlasst werden.

Abends zeigt Johan Fotos über Schweden und seine Rentiere. Sie werden vor allem im Winter gehütet, da hat es minus dreißig Grad und nur zwei Stunden Tageslicht. Kann mir kaum vorstellen, wie das geht, wenn es die meiste Zeit dunkel ist. Das Fleisch vermarkten sie über Slow Food.
Dann zeige ich Bilder von meiner Wanderschäferei. Bekomme viel Lob über meinen Vortrag, schade nur, dass es meist auf Englisch war, mein Französisch klemmt noch etwas. Der Tuareg ist fasziniert von all den vielen Baum und Straucharten, die es bei uns gibt. Eine Kenianerin pflichtet mir bei, als ich von der „Begeisterung“ meiner Kinder von meinem Beruf erzähle.
Zum Abschluss zeigt Hanwant Sigh Rathore einen Film über die Rassenviefalt von Schafen, Ziegen, Rindern, Hühnern, Dromedaren und Wasserbüffeln in Indien. Und wie versucht wird diese genetische Vielfalt zu erhalten.

Heute besichtigen wir eine regionale Schlachtstätte. Einen Schlachthof, der keine EU–Zulassung hat!. Die letzten Jahre ging es immer nur um die EU-Zulassung. Doch hier leben und überleben auch Menschen und sie sehen alle gesund und munter aus. Was mir besonders auffällt ist, dass die Stimmung unter den Menschen sehr fröhlich, ja heiter ist. Bei uns ist immer alles so steril und kalt in einer Atmosphäre die Angst macht.
Natürlich ist die Hygiene hier eine andere und auch der Tierschutz. Doch bei den Tieren, die draußen vor dem Schlachthof warten, spüre ich keinerlei Angst oder Unruhe. Also, wenn ich ein Schaf wäre, und dürfte es mir aussuchen, ob man mich am Ende meiner Tage für ein paar Minuten an den Ohren oder am Bein irgendwohin zerrt, oder ob ich stundenlang voller Ungewissheit auf dem angsteinflössenden LKW stehe, um hinterher nochmals Stunden in fremder, unnatürlicher Umgebung mit angstmachenden Geräuschen und Gerüchen zu verharren, also, die Entscheidung würde mir nicht schwer fallen.

Desai Laljibhai berichtet über Proteste gegen die Landnahme in Indien. Das Prinzip war, ohne Gewalt und ohne Geld zu protestieren.  Zu einer Demonstration kamen 700 Traktoren, bei einer anderen fuhren 1500 Fahrräder 200 Kilometer weit, und bei einer weiteren demonstrierten nur Frauen, 7000 Stück. Schließlich machte die Regierung einen gefassten Entschluss rückgängig.

Anschließen sehen wir noch Fotos von Wasserbüffelnomaden. Im Winter leben sie im indischen Dschungel und im Sommer ziehen sie in die Höhen des Himalayas. Sehr beeindruckend ist ihre enge Beziehung zu den Tieren.
www.traditionalculturesproject.org

Es hatte die ganze Nacht geregnet. Überall steht Wasser. Auch in manchen Zelten, bei mir nicht, ich hatte nur davon geträumt, dass das Wasser bei mir durchs Zelt läuft. Die Organisation beschließt den Umzug in ein Hotel. So sehr ich mich im ersten Augenblick über fließendes Wasser aus dem Wasserhahn und eine Toilette mit Spülung freue, so sehr vermisse ich die Atmosphäre des Busches. Anfangs war es schon eine Herausforderung sich die Hände ohne fließende Wasser zu waschen, doch eine Wanderschäferin ist flexibel und lernfähig. Die Gruppengespräche unter einem Strohdach oder in viel zu engen Versammlungsräumen waren gekennzeichnet von Nähe, Offenheit und Gemeinsamkeit. Überall wurden Bekanntschaften gemacht, Freundschaften geschlossen, Adressen ausgetauscht, Geschenke gemacht. Filme von mir gehen an die Organisation, zu den Navajos und nach Indien, CD`s mit Bildern nach Marokko, Pakistan, Nepal und in die Mongolei. Auch ich werde reich beschenkt. Spontan stellt man sich zum Gruppenfoto zusammen.
Fasziniert beobachte ich immer wieder, wie sich  Gruppen bilden, da sitzt die Nepali zwischen Massai und Ägypter, daneben der Pakistani, der Mongole und die Argentinierin, mit Feuereifer diskutieren sie über den Fortbestand des Hirtentums.
Nur kurz denke ich an zuhause, da sitzen meine Kollegen vom Bundesverband gerade bei der Unterredung über eine innerdeutsche Zusammenarbeit.

Fast täglich treffen wir Europäer uns, um an einem Europäisches Schäfernetzwerk zu arbeiten.
Aus Spanien: Fernando Gracia Montes, Javier Colmenarejo, Alvaro Martin, aus Frankreich: Mattias Guibert und Stephane Vertel-Bottero, aus Schweden: OL Johan , aus den Niederlanden: Joshua Bos, aus Italien: Nora Kravis und aus Deutschland: Ruth Häckh.
Durch eine gemeinsame Gesetzgebung haben wir viele gemeinsame Probleme, wie die übermäßige Bürokratie mit zu viel Dokumentation und nachfolgenden Kontrollen. Durch die schlechten wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen gibt es kaum junge Leute die den Beruf weiterführen. Die Probleme mit den Wölfen nehmen zu.
Wir überlegen, wie wir an Gelder für ein Büro kommen können, und ob das am Anfang überhaupt schon nötig ist. Es soll Telefonkonferenzen geben. Wir wollen zusammenarbeiten, denn nur gemeinsam sind wir stark.

Nora aus Italien zeigt Bilder von ihren Kaschmirziegen. Sie macht mit ihren Ziegen Landschaftspflege, bietet Urlaub auf dem Bauernhof an und hat eine Selbstvermarktung. Die Vermarktung der Kaschmirwolle ist sehr schwierig, da sie zum einen eine sehr hochwertige Edelfaser ist, zum anderen durch unsere Gesetzgebung als landwirtschaftliches Nebenprodukt (früher als Abfallprodukt) deklariert ist. Auf den ersten Blick erscheint der Preis für die Wolle als sehr hoch. Doch ein Produkt hat nicht nur den Preis, der auf dem Etikett steht. Man muss auch alle anderen Kosten und Auswirkungen in Betracht ziehen. Wie nachhaltig wird etwas erzeugt, wie hoch ist die Belastung für die Umwelt? Bei einem T-Shirt für fünf Euro zahle ich nur einen Teil des Preises, einen Anderen zahlt die Näherin, die für einen Hungerlohn arbeitet, und einen anderen die Umwelt, die durch die Herstellung belastet wird. Bei einem Stück Fleisch auf dem Teller, kann Umwelt zerstört worden sein, weil das Tier mit Soja gefüttert wurde, wofür in Brasilien der Urwald abgeholzt wurde, oder es kann zum Umweltschutz beitragen weil das Tier einen wertvollen Lebensraum erhalten hat.

Der letzte Tag ist ausgefüllt mit dem Treffen von WAMIP  (World association of mobile indigenous people), eine weltweite Vereinigung von Hirtenvölkern, in der wir Berufsschäfer auch Mitglied sind.
Zur Einstimmung animiert uns ein Inder mit einem Kanon, den alle mit Freude mitsingen (tschaludsche, tschaludsche).
Der Zusammenschluss dient dazu, sich gegenseitig zu helfen und zu stärken. Man lernt voneinander; das kann in der betrieblichen oder überbetrieblichen Organisation sein; wie kann man sich überhaupt organisieren und wie kann man die Hilfe anderer Organisationen nutzen.
2007 gab es bereits ein Treffen in Segovia (Spanien).
Und 2010 gab es ein Treffen der Hirtinnen dieser Welt, denn oft sind es ja die Frauen, die die Tiere hüten. Habe auch sehr viele sehr starke afrikanische Frauen gesehen.
Es erfolgt eine Einteilung in zwölf Regionen, (Nordamerika, Lateinamerika, Europa, Eurasien, Süd- West- Zentralasien, Ost- Süd- West- Nord und Zentralafrika). Jede Region wählt vier Sprecher, davon ein Repräsentant. Für Europa sind das Nora, Javier und Ruth, Joshua ist Sprecher (eine zusätzliche Person ist Fernando). Dann stellt sich jede Region vor: Geschichte, Probleme, Herausforderung, Hoffnung.
Ich darf Europa vorstellen (mein erster englischer Vortrag):
Europa zeichnet sich durch große geografische, biologische und kulturelle Vielfalt aus. Durch eine europaweite Gesetzgebung haben wir viele gemeinsame Probleme, wie die elektronische Einzeltierkennzeichnung. Wir waren gemeinsam vor dem europäischen Gerichtshof um dagegen anzukämpfen. Es gab einen europaweiten Hirtenzug von Brüssel über Berlin nach Trier. 2015 soll ein neues Tierzuchtgesetz verabschiedet werden. Es gibt viele Probleme mit den Beutegreifern und  Probleme mit Veterinärvorschriften. Unsere nachhaltige Wirtschaftsweise und die artgerechte Tierhaltung werden von einer breiten Öffentlichkeit befürwortet.  
Wir möchten ein europäisches Schäfernetzwerk gründen. Es gibt uns sehr viel Kraft zusammenzuarbeiten.

Navajos aus Arizona zeigen einen Film von den Höhen Colorados.
http://www.cultureunplugged.com/documentary/watch-online/play/6413/A-Gift-From-Talking-God
Mit Stolz und Ehre wird das Hirtentum gelebt und weitergegeben, als Livestyle art, als Lebesstil, ganz bewusst, mit und für die Tiere zu leben, mit einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit. Das Schaf gibt ihnen alles was sie zum Leben brauchen, Fleisch zum essen, Felle und Wolle für Kleidung, Knochen für Werkzeuge. Wieder versetze ich mich in ein Schaf und versuche mir vorzustellen, wie es ist geschlachtet zu werden, weil die Menschen Hunger haben und alle Teile von mir zum Leben brauchen, oder geschlachtet zu werden, nur um die Besten Teilstücke zu essen, der Rest geht in die Wurst, als Hundefutter oder wird weggeworfen.
Die Navajos leben mit Respekt vor der Kreatur, im Einklang mit der Natur und der Umwelt. Die Öffnung ihrer Zelte zeigt nach Osten, wo die Sonne aufgeht. Sie bekommen ihre Energie von der Sonne und von einem Leben in Harmonie.


Auf dem Heimflug kommen mir die Worte von Knut in den Sinn, als er vom Hirtentreffen im Osten zurückkam, und das Gefühl hatte er würde mit Säcken voll Gold heimkommen.
Für mich fühlt es sich so an, als würde ich alle Schätze dieser Welt mit nach Hause bringen.
Nur meine Gummistiefel hätte ich mitnehmen sollen.


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Schafe, Wolf und Artenschutz

Gedanken zur Rückkehr der Wölfe nach Deutschland

Während andere Nutztiere ihr Leben zunehmend im Stall verbringen, halten die Schäfer an der traditionellen, tiergerechten und naturnahen Weidehaltung fest. Dadurch sind Schafe auch durch die rückkehrenden Wölfe bedroht.

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