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Hirtenzug in Frankreich
24.06.2013 18:09 (4111 x gelesen)

Hirtenzug in Digne, Frankreich (Departements Alpes de Haute Provence) - 29. Mai 2013

Oh Schreck, über 12 Stunden Zugfahrt. Das hat mit Vernunft nichts mehr zu tun. Ein Tag Hinfahrt, ein Tag Hirtenzug und ein Tag Rückfahrt. Francesco hat gleich gesagt, das ist verrückt. Doch da kann ich ja nichts dafür, dass er sich so eine reiselustige Frau ausgesucht hat.

Bericht von Ruth Haeckh mit vielen Fotos.



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Als ich so im Zug sitze muss ich feststellen, dass da eine Stunde schneller vergeht als beim Hüten, wenn es den ganzen Tag um die Wette regnet und einem der Wind um die Ohren pfeift, so wie die letzten Tage.

Nach Straßburg, über der Grenze, fällt mir auf, dass die Franzosen keinen Ordnungsfimmel haben, wie er hierzulande manchmal anzutreffen ist, bei ihnen scheinen andere Werte wichtiger zu sein. Sehe viel Weinanbau, und viele Rinder auf der Weide, auch viele Kälber.

 Auf den Bahnhöfen sehe ich Französinnen, die Miniröcke tragen, bei Temperaturen, bei denen mich langärmlig fröstelt.

Nach einigen Stunden habe ich nicht mehr das Gefühl, dass die Zeit schnell vergeht, vor allem wenn der Zug fast zwei Stunden Verspätung hat und der Anschlusszug weg ist.

Muss meine Fahrkarte umtauschen, was sich als sehr schwierig erweist, da ich schon über zehn Jahre kein französisch mehr gesprochen habe und mir jetzt immer die italienischen Worte dazwischenfunken. In Straßburg waren noch alle Ansagen dreisprachig, das ist jetzt anders, im Herzen Europas.

 Von welchen Gleis ein Zug abfährt, wird erst kurz vorher bekanntgegeben, in meinem Fall waren es zwei Minuten und dreißig Sekunden. Lyon ist kein kleiner Bahnhof, und so menschenleer die Gegenden vorher waren, so drängt sich hier alles. Die Rolltreppe ist verstopft. Wollen die alle auf den gleichen Zug? Geschafft, er fährt gerade ein, und fährt und fährt und fährt und fährt bis ich nur noch das Ende des Zuges sehe. Das darf doch nicht wahr sein. Werde ich je ankommen? Anfangs hat es mich noch gestört wenn ich von meinem Fensterplatz aus nicht in die richtige Richtung schauen konnte, jetzt bin ich froh überhaupt noch den letzten Bus nach Digne zu bekommen.

Es ist noch vor Mitternacht als mich Albert vom Bahnhof abholt und zum Fest bringt. Es regnet in Strömen, unter einem Vordach wird getanzt und gefeiert.

Fast lauter junge Leute. So viel Mut. So viel Hoffnung. So viel Widerstand.

Liegt es an den Zukunftsaussichten dass es hier so viele junge Hirten gibt?

Für 1 kg Lammfleisch, verkauft an den Handel gibt es 5 €, lebend gewogen, in der Selbstvermarktung 12€, Bio 13€.

Am nächsten Morgen bin ich noch mehr erstaunt. Erstaunt und fasziniert. Die Schafe sind sehr klein, und bunt, viele Rassen und viele Farben. Die Herde von 300 Stück stammt von sechs Besitzern und jeder hat sein Zeichen und seine Farbe. Die Leithammel sind mit wahren Kunstwerken verziert und mit besonderen Frisuren geschmückt, zudem haben sie besonders große Glocken.

Es sind mehrheitlich Mérinos d´Arles, sie kommen gut mit dem Futter der trockenen kargen Hügel der Provence zurecht. Am Meisten beeindruckt mich, wie ruhig sie sind im Umgang mit Mensch und Hund. Ich könnte problemlos in die Herde reingehen und eins raus fangen.

Der Zug setzt sich in Bewegung, vorne ein paar Reiter, die sich mit den Hirten solidarisieren, dann der Esel, dann die Hirten mit den Schafen, danach weitere Hirten und zum Schluss ein Pferdegespann mit einem Wagen auf dem eine Trockentoilette aufgebaut ist.

Überall Schilder mit Anti-Ohrmarken Sprüchen, derbe Worte, die ich hier nicht übersetzten möchte.

Es gibt eine Mittagsrast, die Schafe fressen auf einer größeren Straßengrünfläche, nebenan pflegen Männer mit Motorsensen diese Flächen.

Gegen Mittag treffen wir in Digne ein. Digne ist die Hauptstadt des Departements Alpes de Haute Provence. Auf dem Marktplatz lagern wir eine Stunde. Gebe ein Radiointerview zur Ohrmarkenproblematik und zu unserem Prozess in Luxemburg.

 Dann geht es weiter zur Präfektur, das ist die direkte Vertretung der Zentralregierung in Paris. Mit fadenscheinigen Gründen wird ein Gespräch verweigert. Schnell sind ein paar Stände aufgebaut und es gibt zu Essen und zu Trinken. Wir lagern mehrere Stunden. Es werden Reden gehalten, mehrere berichten von ihrer Situation. Eine junge Schäferin erzählt von ihrer Kontrolle: Die Kontrolleure hätten die fehlenden Ohrmarken beanstandet und wollten wiederkommen. Sie kamen wieder und wurden empfangen von 80 Kollegen, die ihnen erklärten, warum sie keine Ohrmarken setzten.

Auch ich halte eine kleine Ansprache zur elektronischen Kennzeichnung und zum europäischen Schäfernetzwerk. Die französischen Kollegen freuen sich riesig und danken mit viel Applaus. Es hat ihnen so viel gegeben, dass ich ihnen die Grüße und die Solidarität der deutschen Schäfer gebracht habe. Genaugenomen sollte es nur vom Bundesverband sein, doch in dieser Situation war es völlig unerheblich, welcher Verband und ob überhaupt ein Verband. Es war sehr wichtig, dass jemand persönlich da war, das hat eine ganz andere Wirkung als wenn man nur Grüße vom Papier abliest.

Organisiert wurde der Hirtenzug vom „Collectif pour la liberté de l´élevage“, das ist ein loser Zusammenschluss von Hirten, Schaf- und Ziegenzüchtern der Region.

Auf ihrer homepage können weitere Bilder und Aktionen angesehen werden:                                                                                  http://resistranshumance04.over-blog.com

Sie haben sich gegründet, als sie zur Blauzungenimpfung gezwungen wurden, obwohl sie keine hatten und das nicht wollten.

Ein anderes wichtiges Anliegen ist der Kampf gegen die Registrierung der männlichen Zuchttiere ab 2015. Viele junge Schäfer sind aus dem Zuchtverband ausgetreten, weil sie sich nicht von oben herab vorschreiben lassen wollen, welche männlichen Tiere sie als Zuchttiere einsetzten dürfen.

 Sie wollen die genetische Vielfalt erhalten und sich nicht auf ein paar Vatertiere, die aufgrund einer bestimmten Genetik gezüchtet sind, beschränken. Es liegt ihnen viel an der Gesundheit der Tiere unter den Bedingungen draußen.

Für sie sind Zusammenschlüsse und Erzeugergemeinschaften üblich und an der Tagesordnung. Einerseits bewundern sie uns, dass wir so organisiert sind, dass wir es bis vors EUGH schaffen, andererseits verstehen sie es nicht, dass es bei uns nicht die Regel ist, dass sich mehrere Nachbarschäfer zusammentun, um gemeinsam ein Schlachthaus zu unterhalten.

In Frankreich sind kleine lokale Schlachthäuser wie bei uns gar nicht mehr erlaubt!

Nach dem Hirtenzug zeigt mir Michael von Longo-Mai die Genossenschaft, wo er mit ca. hundert Leuten zusammen, auf drei Höfen verteilt, lebt und arbeitet. Sie versorgen sich selber, bauen eigenes Gemüse an, ihr eigenes Getreide, backen Brot, Kräuter werden verarbeitet, Wollstoffe werden gewebt und bedruckt und auf dem Markt verkauft. Die Schafe hier sind auch Mérinos d´Arles, die es in weiß und braun gibt und sehr zierlich erscheinen. Die Böcke tragen beeindruckende Hörner. Gegen Wölfe schützten große weiße Pyrenäenberghunde.

Abends bei meiner Gastfamilie sehe ich riesige Koppeln mit grünem Kleegras, handhoch.

Das ist zu schön um wahr zu sein. Frage nach. Normalerweise ist hier Ende Mai alles braun und dürr. Manchmal ist es im Sommer so trocken, dass die Grasnarbe abstirbt. Im Juni ziehen die Schafe für vier Monate in die Berge bis über 2000 Meter.

Der Wolf hat ihr Leben grundlegend geändert, die Schafe werden jetzt nachts eingepfercht, der Hirte schläft im Zelt daneben. Ein Esel – wesentlich größer als wir ihn kennen – patrouilliert nachts um den Pferch und wehrt einzelne Wölfe mit Huftritten ab. Ein Rudel verscheucht der Hirte mit Schreckschüssen aus der Pistole.

Abends zeige ich Bilder von meinen Württembergern. „Die sind ja riesig.“  „Warum tragen die denn keine Glocken?“  „Das kennen wir nicht.“  Aber wie kannst Du sie wiederfinden, wenn Du eins verlierst?“  „Ja, das ist schwer.“  „Und wenn Du Mittagsschlaf machst und eins wegläuft?“  „Ich mach ja keinen Mittagsschlaf.“

Gegen 21 Uhr gebe ich einen kurzen Bericht in die laufende TK. Günther fragt, ob es wahr ist, wie die deutschen Vermarkter behaupten, dass die französischen Lämmer so viel besser seien? Werfe die Frage in die Runde. „Natürlich ist die Qualität der französischen Lämmer besser,“ geben die jungen Hirten lachend zurück  „sie sind ja den ganzen Sommer draußen und fressen die guten Kräuter der Provence und trinken Rotwein“.

Also für meine Lämmer, die den ganzen Sommer draußen sind, und die guten Kräuter der Wacholderheiden fressen, bekomme ich vom Handel Abschlag (Vielleicht liegt es ja am Rotwein, hier gibt’s nur Most von schwäbischen Streuobstwiesen.)

Und eins ist sicher: das vom deutschen Handel geforderte 6 Monate alte 42 kg Lamm bekomme ich nicht von einem 40-45kg Mutterschaf. Das wechselt in dieser Gewichtsklasse schon die Zähne, und der LKW vom Händler täte mir gar nicht mehr auf den Hof fahren.

Vielleicht laden uns die deutschen Vermarkter ja zu einer Lehrfahrt ein, zu sehen, wo es solche Lämmer gibt und wie sie aufwachsen.

Kann mir jedoch kaum vorstellen, dass sie hirtenzugtauglich wären. Das wäre ein Argument für Plastikschafe, doch die würden wiederum nicht die Begeisterung bei den Passanten hervorrufen, selbst wenn man ihnen Räder dranschrauben würde.

Was ich gesehen habe: Da wo guter Ackerboden ist, wird Getreide und Mais angebaut, in den mittleren Lagen gibt es Weiden mit Rindern drauf und der Rest ist für die Schafe. So wie überall.

Mit Tränen in den Augen verabschiede ich mich von meinen Freunden in der Provence und von einer Landschaft deren Charme ihresgleichen sucht.

Ich hätte dableiben können, aber ich hatte ja schon die Rückfahrkarte gekauft, und meine Familie und meine Schafe warten. Ich habe Gemeinschaft erlebt, ich war eine von ihnen. Und es gab Momente als wäre es immer so gewesen. Ich habe erlebt, wie wenig es zum Leben braucht, und wie unwichtig Äußerlichkeiten sind.

Danke Euch  Ruth Häckh


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